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Verliebt in Bali

Für das Buchprojekt For the Love of Bali reiste Starfotograf Howard Roffman zusammen mit 20 Bel Ami-Jungs nach Indonesien. Vor der malerischen Kulisse eines Traumhauses auf der Halbinsel Bukit entstanden Urlaubsschnappschüsse, die jetzt in einem 128-Seiten-Luxusbildband veröffentlicht wurden

Text und Fotos: Howard Roffman

Adam Archuleta (l.) und Andre Boleyn

Adam Archuleta (l.) und Andre Boleyn

Machen wir doch alle mal zusammen Urlaub! Auf Bali“. Also sprach George Duroy, Gründer und Chef der Bel-Ami-Studios in Bratislava. Und lud mich als Fotografen ein, mitzukommen, weil ich schon öfter erfolgreich ür Fotobuchprojekte mit Bel Ami zusammengearbeitet hatte. Als Amerikaner, der mit dem Musical South Pacific aufgewachsen ist, hatte Bali eine geradezu mystische Anziehungskraft. Und die Aussicht, einen Urlaub à la George Duroy zu machen, war natürlich unwiderstehlich. Ich sagte sofort zu und übernahm die technische Planung der Reise. Während George sich um die Auswahl der Jungs kümmern wollte.

Fotograf Howard Roffman auf der Fahrt zum Haus in Bukit, mit dem blonden Kevin Warhol (r.) auf dem Rücksitz

Fotograf Howard Roffman auf der Fahrt zum Haus in Bukit, mit dem blonden Kevin Warhol (r.) auf dem Rücksitz

Über einen indonesischen Freund in San Francisco fand ich ein perfektes Haus für uns – eine große Anlage in den Hügeln von Bukit auf der südlichen Halbinsel, mit opulenten Gärten, Panoramaaussichten imposanter balinesischer Architektur und diskreten Hausangestellten, die uns nicht stören würden bei der Arbeit. Denn natürlich ist ein Duroy-Ausflug dieses Kalibers auch dafür da, um Fotos zu schießen und Filmszenen zu drehen. Als wir auf dem Denpasar Ngurah Rai International Airport ankamen,
herrschte erstmal Chaos. Wir fanden unsere Fahrer nicht, der Verkehr war dramatisch und die Straße nach Seminyak schlängelte sich durch die Landschaft, mit Tausenden von Scootern und klappendern Autos neben uns. Dazu überall Hunde und ein unglaublicher Lärmpegel. Ich fragte mich, ob wir nicht einen fürchterlichen Fehler gemacht hatten, hierher zu kommen?
Als wir dann aber die Stadt und den Verkehr hinter uns gelassen hatten, und zwischen den dicht gewachsenen Blättern der Garten unseres Hauses zum Vorschein kam, waren alle Bedenken wie weggewischt. Die Jungs, ermüdet von der langen Reise, hatten plötzlich ein breites Grinsen auf den Lippen. Und stürmten in den Infinity Pool und die Schlafzimmer. Der Urlaub fing an.

Die 20 Jungs schmiedeten sofort Pläne: Einige wollten Surfunterricht nehmen an dem Strand, wo Julia Roberts Szenen für Eat, Pray, Love gedreht hatte. Andere wollten Ausflüge nach Kuta machen, um Souvenirs zu kaufen und sich eine balinesische Massage zu gönnen. Die jungen Masseure kicherten die ganze Zeit und hatten wohl selten so attraktive Kunden wie an diesem Tag. Wir machten einen Ausflug in die Ubud-Gegend, wo es endlose Reisfelder und Kaffeeplantage  gibt. Diese im tropischen Regen zu sehen, war schon eindrucksvoll.

Bali ist heute eine schwulenfreundliche Oase inmitten lauter angrenzender muslimischer Staaten, in denen Homosexualität kriminalisiert ist und Schwule teils brutal unterdrückt werden. Ganz anders als in der überwiegend hinduistischen Gesellschaft von Bali. Wo immer wir hinkamen, fanden wir kleine Papiertabletts mit Blüten, Blättern und Keksen: Ausdruck des sanften Glaubens dort. Ironischerweise kommen viele der Touristen auf Bali aus den umliegenden muslimischen Ländern. Sie reisen aus Indonesien und Malaysia an. Man erkennt sie an den Kopftüchern, die die Frauen tragen. Komischerweise drängten sich genau diese Frauen um die Bel-Ami-Jungs, sobald wir irgendwo auftauchten. Sie wollten zusammen fotografiert werden und baten um Autogramme. Im Scherz sagte ich zu den Boys: „Jetzt wisst ihr, wie sich Justin Bieber fühlt!“ Natürlich ahnten die Mädchen nicht, dass sie es mit Pornoprominenz zu tun hatten. Und dass diese Jungs schwule Pornos drehen, die in konservativ-muslimischen Ländern verboten sind. Die Tage, die wir auf Bali verbrachten, waren auch von Liebe und Flirts geprägt, weil in dem malerischen Ambiente einige der Jungs, die sich bei den Shootings zum ersten Mal näher kennenlernen konnten, schwer ineinander verguckten.

Adam Archuleta frisch geduscht

Adam Archuleta frisch geduscht

Die gloriosen Details sind hier vielleicht unwichtig, aber man spürt auf vielen der Bilder doch die Nähe und intime Vertrautheit, die zwischen einigen der Bel-Ami-Boys herrscht. Diese Intimität blühte – im wahrsten Sinn des Wortes – in der tropischen Pracht von Bali auf. Und macht die Fotos so atemberaubend.

Jack Harrer bei der Bananenernte

Jack Harrer bei der Bananenernte

Die MÄRZ-AUSGABE ist da!

Lieber Leser,

Diese Ausgabe ist fast ganz dem Thema Reisen gewidmet: Reisen in eine utopische Zukunft mit Covermodel Taylor Kitsch, Reisen nach Bali mit Fotograf Howard Roffman und den Jungs von Bel Ami, private Reisen nach China, Katar und zum Grand Canyon, aber auch historische Reisen zu „100 Jahre Tod in Venedig“. Von Leipzig und der Buchmesse ganz zu schweigen. Wir haben uns für ein solches „Travel Issue“ entschieden, weil im März die Internationale Tourismus Börse (ITB) startet, wo wir zusammen mit den Kollegen von Spartacus präsent sein werden (sowie den beiden neuen Spartacus-Titelmännern Josey und Rodiney). Aber auch, weil eine überwältigende Mehrheit von euch bei der letzten Leserumfrage angab, an Reisegeschichten besonders interessiert zu sein. Das trifft sich gut, weil wir eine besonders reisefreudige Redaktion sind. Die ihre Erlebnisse gerne teilt. Apropos: Auf einer Pressereise traf ich kürzlich einen ehemaligen Chefredakteur der MÄNNER. Natürlich kamen wir irgendwann aufs Heft zu sprechen, und der Ex sagte,

er habe das Magazin seit zehn Jahren nicht gelesen, weil es sowieso keine guten schwulen Journalisten und entsprechend keinen guten schwulen Journalismus gäbe. Das gab mir zu denken. Hat er recht? Vielleicht schreiben nicht alle schwulen Journalisten ausschließlich über schwule Themen. Aber ich kenne sehr viele sehr gute Journalisten, die

zufällig auch schwul sind und entsprechende Aspekte immer wieder in ihren Artikeln behandeln, einfach weil sie Teil ihres Lebens sind. Wir versuchen in MÄNNER so vielen dieser Autoren wie möglich Gelegenheit zu geben, sich in größerem Umfang zu äußern. Besonders zu Themen, die sie in den Mainstream-Heteromedien nur begrenzt behandeln können. Unser neuester Autor, Markus Pfalzgraf, wurde soeben vom SWR abgeworben. Was man als Zeichen von qualitativer Wertschätzung sehen kann. Die vielleicht beweist, dass sich in den letzten zehn Jahren die Dinge auf dem Homo-Medienmarkt doch geändert haben?

In diesem Sinn, viel Spaß beim Lesen.

Kevin Clarke, Chefredakteur








Was wir letzten Sommer getan haben…

Foto: Howard Roffman aus "Bel Ami - The Blush of Youth"

Foto: Howard Roffman aus "Bel Ami - The Blush of Youth"

Die Fotostrecke in der September-Ausgabe von Howard Roffman aus seinem neuen Buch “Bel Ami- Blush of Youth”.

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MÄNNER September 2010

MÄNNER September 2010, Foto: Rick Day

MÄNNER September 2010, Foto: Rick Day

Und es war Sommer …

Liebe Leser,
man trifft neue Menschen. Es passieren unvorhergesehene Dinge. Das Leben fühlt sich leichter an. Der Sommer ist der Höhepunkt des Jahres. Und dann ist er auf einmal vorbei. Was bleibt davon im Gedächtnis zurück? Ein neuer Mann, ein neuer Job, eine neue Stadt? In unserer Titelgeschichte erzählen acht Männer, was sie diesen Sommer erlebt haben (Seite 14). Bei einigen hat sich das ganze Leben verändert, bei anderen waren es nur Kleinigkeiten. Zum Beispiel Joachim. Auf einem Sommercamp hat er zum ersten Mal den Elton-John-Hit „Can You Feel the Love Tonight“ vor großem Publikum gesungen – und nicht wie sonst allein unter der Dusche. Er hat sich großartig gefühlt. Und Chris hat zum ersten Mal als Unterwäsche-Model gearbeitet und dabei ganz gut verdient.
Am schönsten wäre es, wenn der Sommer immer weiterginge. Er geht auch noch weiter, nur nicht bei uns. Sondern in Südfrankreich, Griechenland oder Australien. Was diese und andere Orte zu unvergesslichen
Reisezielen macht, wenn es hier schon kälter wird, erzählen wir auf Seite 16. Eine Stadt, in der praktisch das ganze Jahr über Sommer ist, ist Tel Aviv. Mitten in der Julihitze, waren wir fünf Tage in der israelischen Schwulenmetropole unterwegs. Wir haben uns nicht nur für die klassischen Touristenziele interessiert, sondern wollten vor allem
die Menschen kennenlernen. Die „Tel Aviv Boys“, die wir getroffen haben, zeigen wir in einer Fotoreportage ab Seite 34. Zusätzlich haben wir uns mit den Männern unterhalten, die das schwule Leben und die schwule Kultur der Stadt mitbestimmen (Seite 40). Der Traum vom Jetsetleben ist für einige zur Wirklichkeit geworden. Nicht nur im Urlaub, sondern im Alltag. Zum Beispiel für Flugbegleiter. Singapur, Rio oder New York, praktisch jede Woche haben sie ein paar Tage Layover in einer anderen aufregenden Metropole. Wie der Job an Bord tatsächlich aussieht, erzählen wir in unserer Reportage „Über den Wolken“ (Seite 44). Ob in der Luft, am Wasser oder an welchem Fleck der Erde auch immer.

Einen sommerlichen September wünscht
Peter Rehberg





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