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VERLIEBT: MÄNNER IM MAI

Liebe Leser,

Ein bisschen erschrocken haben wir uns schon, als die Themenliste für dieses Heft fertig war. Da standen Agneta Fältskog, Claudia Roth, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Cascada in einer Reihe. Was für ein Weiberhaufen! Aber passt schon. Immerhin findet in diesem Monat der Eurovision Song Contest in Malmö statt und auch dort ist ein massiver „Frauenüberschuss“ in der Teilnehmerriege zu verzeichnen. Das wäre halb so schlimm, wenn man bei einigen der antretenden Sängerinnen nicht das musikalische Talent in Zweifel ziehen müsste. Was die deutsche Teilnehmerin Natalie Horler alias Cascada angeht, sagen wir nur so viel: Unser Interview mit der 31-Jährigen war so nett, dass wir ihr am 18. Mai ohne schlechtes Gewissen die Daumen drücken, auch wenn wir keine großen Fans ihres Songs „Glorious“ sind, der wirklich keinen Glanzmoment der Eurovisions-Geschichte darstellt. Aber auch echte ESC-Legenden kommen in dieser Ausgabe zu Wort. Und zwar in unserem Vier-Augen-Gesprächs mit Abba-Blondine Agneta Fältskog. Die Schwedin hat ein Soloalbum aufgenommen und taucht damit 39 Jahre nach ihrem Grand-Prix-Triumph mit „Waterloo“ und jahrelanger Funkstille aus der medialen Versenkung auf. Unsere Autorin Katja Schwemmers hat mit der „Greta Garbo des Pop“ übers Älterwerden und das Verhältnis zu den ehemaligen Bandkollegen geplaudert.
Um knallharten Machtkampf geht‘s bei unseren Polit-Ladies. Während Grünen-Schwulenmutti Claudia Roth den Liberalen im Gespräch mit Hans-Herrmann Kotte progressives Gerede bei völliger Tatenlosigkeit vorwirft, kontert Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger  (FDP), indem sie klare Signale in Richtung ihres Koalitionspartners CDU schickt und die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe fordert.
Und da ist es schon wieder. Das Reizwort der letzten Monate. In letzter Zeit haben wir uns redaktionsintern oft gefragt, ob die schwule Heiraterei abgesehen vom Gleichberechtigungs-Aspekt überhaupt eine erstrebenswerte Sache ist. Diese Diskussion schlägt sich in diesem Heft in einem Kommentar von Paul Schulz nieder – der der unpopulären Ansicht ist, dass die Homo-Ehe eigentlich ein Rückschritt in die Kontrollsphären der Heteronormen ist. Wir freuen uns jetzt schon über Lesermeinungen zu der provokanten Streitschrift. Und nun zu den Themen, die dem Namen dieses Heftes im wörtlichen Sinne Ehre machen: Allen voran sind da unsere Cover-Models Max Riemelt und Hanno Koffler zu nennen. Den einen kennt man durch seine Auftritte in Kinofilmen wie „Die Welle“ oder „Napola“, den anderen als Boller-Homo aus „Sommersturm“ und Hauptfigur im Soldaten-Drama „Nacht vor Augen“. Nun spielen die beiden im Kinofilm „Freier Fall“ zwei Polizisten, deren scheinbar so geordnete Leben aus der Bahn geworfen werden, als sie sich unerwartet ineinander verlieben. MÄNNER hat Hanno und Max für ein exklusives Fotoshooting samt Interview gewonnen und sich davon überzeugen können, dass die beiden nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im wahren Leben ein schönes Paar abgeben. Zusätzlich gibt‘s eine Reportage über den wahren Alltag schwuler Polizisten in Deutschland, eine Fotostrecke zum neuen Bildband „Turn on: Boys“ und munteres Seilhüpfen mit Redaktionstrainer Patrick Thomalla. Das sollte reichen, um den Mai auszufüllen. Ab Juni meldet sich von dieser Stelle der neue MÄNNER-Chefredakteur David Berger. Bis dahin grüßen wir ein letztes Mal im Kollektiv als:

Die MÄNNER-Redaktion

Nackte Jungs Angucken

Der Journalist Craig Seymour hat jahrelang als Stripper gearbeitet. Jetzt erscheint seine Autobiografie “Nackte Tatsachen”. Ein Gespräch über Sex, Politik und schöne Männer

Interview: Paul Schulz /Fotos: Craig Seymour

Craig, in deiner Autobiografie geht es ziemlich zur Sache. Hat deine Mutter das Buch schon gelesen?
(lacht) Ja, meine Eltern haben das Manuskript beide zu lesen bekommen, bevor das Buch in den USA erschien. Schon, weil sie darin auch als Figuren vorkommen. Allerdings hatte ich eine Bedingung: Sie mussten es erst zu Ende lesen, bevor sie etwas dazu sagen durften.

Warum wolltest du das?
Weil das Buch ganz gut erklärt, wieso ich als 22-Jähriger Doktorant in Washington überhaupt angefangen habe zu strippen und darüber auch meine Doktorarbeit geschrieben habe.

Und das war so, weil …?
Für mich war das Ganze eine Herausforderung und vielleicht der letzte Schritt zum Erwachsenwerden. Ich war ein schüchternes, braves Kind, und mich mit Anfang Zwanzig auf eine Bühne zu stellen, mir die Kleider vom Leib zu reißen und mich dann von anderen Männern überall anfassen zu lassen, war ein so großer Gegensatz zu dem Leben, was ich bis dahin geführt hatte, dass es schlagartig alles veränderte. Bücherschreiben, unterrichten, Fotograf sein, ich hätte nichts von dem getan, wenn ich nicht vorher Stripper gewesen wäre. Seine Angst über Bord zu werfen und Dinge einfach zu tun, von denen man nie dachte, dass man sie einmal tun würde, das war eine ganz grundlegende Erfahrung für mich.

Wie kam es denn überhaupt zu all dem?
Stripclubs waren der erste Ort auf der Welt, wo ich ganz ohne Angst andere Jungs angucken konnte, sie waren ein wichtiger Teil meines Coming-outs. Ich habe mich dort als schwuler Mann zum ersten Mal komplett sicher und zuhause gefühlt. Und das ist heute noch so. Ich war also Fan, bevor ich Akteur wurde (lacht).

Ist es ein gutes Gefühl, nur in Socken von 50 anderen Männern angesehen und begehrt zu werden?
Wer sagt dir denn, dass die einen immer begehren? Die Chance, von 50 Jungs gleichzeitig offen zurückgewiesen zu werden, weil dir niemand Trinkgeld gibt oder dich niemand anfassen will, ist groß. Deswegen ist es besser, wenn du dein Selbstbewusstsein aus etwas anderem als deinem Körper beziehst. Aber Strippen ist auch viel mehr als nur, sich auszuziehen.

Was denn?
Mit vielen der Stammkunden baut man als Stripper eine wirklich enge Bindung auf.

Deren Grundlage der Austausch von Bargeld ist.
Ja, aber das heißt ja für die Qualität der Bindung erst einmal nichts. Du kannst trotzdem mit vielen deiner Kunden ein freundschaftliches Verhältnis haben. Wenn jemand dir so zeigt, was er wirklich geil findet und dich sein Begehren sehen und spüren lässt, dann ist das sehr intim, sehr ehrlich und deswegen nicht die schlechteste Grundlage für eine Freundschaft. Der Körperkontakt zwischen Stripper und Gast ist ja etwas streng Reguliertes, die Regeln stehen fest.

In deinem Fall erlaubten die Regeln, dass die Gäste dich an den steifen Schwanz fassen und dir den Arsch streicheln. Ist das keine sexuelle Dienstleistung?
Klar ist es das. Und? Einer der großen Mythen über Stripper ist, dass die meisten ihren Job machen, weil sie in irgendeiner Zwangslage sind. Oder dumm. Oder beides. Das ist Quatsch. Viele der Jungs haben einen Heidenspaß bei der Arbeit und werden hervorragend bezahlt.

Hat der Job also keinerlei Nachteile?
Doch, sogar einige. Aber die haben oft wenig mit der Arbeit selbst zu tun. Dass du den wenigsten Menschen erzählen kannst, dass du Sexwork machst, ohne misstrauisch beäugt zu werden, ist ein immenser Nachteil. Ich erzähle ja im Buch ausführlich davon, dass ich immer Angst davor hatte, einer meiner Kollegen aus der Uni oder einer meiner Studenten könnte mich sehen. Es brauchte eine Weile, bis ich das Selbstbewusstsein entwickelt hatte, da drüberzustehen.

War das auch der Grund dafür, das Buch zu schreiben?
Nein, der war wirklich „historisch”. Die Washingtoner Clubs, in denen ich gearbeitet hatte, sind vor gut zehn Jahren abgerissen worden. Da habe ich längst erfolgreich als Journalist gearbeitet, war aber natürlich am Abend, bevor die Bagger anrückten, noch einmal da, um diesem Teil meiner Jugend Lebwohl zu sagen. Und da ging mir auf: „Das hier ist Geschichte, schwule Geschichte,
die verloren geht, wenn sie niemand aufschreibt.” Also habe ich das getan. An den Stripclubs und ihren Besuchern lässt sich die gesamte Geschichte der Schwulenbewegung nachvollziehen, aber auch viel über sich verändernde Sexualmoral ablesen.

Früher war mehr los, oder?
(lacht) So kann man das zusammenfassen. Mit dem Streben nach Gleichberechtigung ging auch die Herausbildung eines schwulen Mainstreams einher, der von heterosexuellen Wünschen und Träumen heute kaum noch zu unterscheiden ist. Viele Schwule wollen heiraten und Kinder bekommen. Was sie auch alle können sollen. Aber das darf nicht bedeuten, dass das Sprechen oder Nachdenken über schwule Sexualität unterbunden oder erschwert wird oder die Orte, an denen Sexualität abgebildet wird, geschlossen werden.

Verschwindet schwule Sexualität aus der Öffentlichkeit?
Sie ist viel weniger sichtbar als zu der Zeit, zu der ich gestrippt habe. Da waren die schmutzigen kleinen Randbezirke, in denen das stattfand, ein Fixpunkt in der schwulen Szene, der natürlich auch politisch besetzt war und wurde, ein körperlicher, aber natürlicher auch ein geistiger Spielraum, in dem man experimentieren und Dinge ausprobieren konnte.

Haben schwule Männer also inzwischen Angst vor ihrer eigenen Sexualität und verstecken sie?
Ich kann nicht für alle sprechen, aber die Anzahl der Orte, an denen Sexualität noch öffentlich passiert, hat sich sehr verkleinert. Was auch mit HIV zu tun hat und paradox ist, weil mir die Clubs erst beigebracht haben, dass schwule Sexualität auch etwas ist, was man feiern kann, statt sich ständig nur davor zu fürchten. Ich glaube, so geht es vielen in meiner Generation.

Wenn du heute in Stripclubs gehst, erzählst du den Tänzern, dass du das früher auch gemacht hast?
Nicht von mir aus. Ich bin ja nach wie vor auch da, um mir schöne nackte Jungs anzugucken, und will das in Ruhe tun können. Aber oft erkennt mich auch irgendwer und kommt dann zu mir rüber und sagt, “Bist du nicht der Typ, der dieses Buch geschrieben hat?” Was merkwürdig ist, weil dadurch die garantierte Anonymität, die ein Besuch in den Clubs für mich auch bedeutet hat, verlorengegangen ist. Aber es ist viel lustiger, mit Menschen über schwule Geschichte zu sprechen, während über dir jemand seine Kleider abwirft. (lacht)

Die Fotos auf dieser und den nächsten Seiten sind alle von dir. Warum fotografierst du Stripper? Kannst du dich immer noch nicht vom Thema lösen?
Ich will gar nicht. Ich möchte das dokumentieren, die Lebensfreude abbilden, die man hier auf der Bühne und vor der Bühne erleben kann, die Clubs als Ort von Freiheit und Sexualität darstellen und so für die Nachwelt festhalten. Ich bin auf der Suche nach einer bestimmten Energie, die ich ursprünglich schwul und ganz und gar einzigartig finde und die auf den Fotos hoffentlich rüberkommt. Es geht mir darum, mein und damit vielleicht auch unser Begehren für die Nachwelt festzuhalten.

Nackte Tatsachen, Bruno Gmünder, 240 Seiten, 16,95 Euro

Mehr zu Craig und seine Fotos: http://www.craigseymourphotography.com/

GEFÜHLVOLL: MÄNNER IM APRIL

Liebe Leser,

Ganz ehrlich: Uns schwirrt der Kopf von der Debatte um die Homo-Ehe. Nicht genug, dass Volker Beck uns während der Produktion dieses Heftes mit gefühlten zehn bis zwanzig Pressemeldungen pro Tag zuschüttete. Wenn man sich am Abend vorm Fernseher entspannen wollte, ging die Debatte auch noch bei Jauch, Plasberg und Konsorten weiter – mit allen Beklopptheiten, die sich die Gleichstellungsgegner in ihren kleinkarierten Heterohirnen zurechtgelegt hatten. Die Lust aufs Heiraten konnte einem da schnell vergehen, die Sehnsucht nach ein wenig Existenzialismus wurde dafür umso lauter. Also haben wir die Arbeit zur Horizonterweiterung genutzt. Das Thema Homo-Ehe bleibt in dieser Ausgabe weitgehend außen vor, dafür beschäftigen wir uns mit Menschen, die ihr Leben umgekrempelt und einen Neustart gewagt haben. Angefangen bei Rosenstolz-Mastermind Peter Plate, der in diesem Monat mit dem Album „Schüchtern ist mein Glück“ eine zweite Karriere als Solokünstler startet, bis hin zur transsexuellen Gender-Ikone Kate Bornstein und dem Londoner DJ Raph Solo, der erst über den Umweg einer Umpolungstherapie seine Homosexualität zu akzeptieren lernte, geht es hier durchweg um sinnstiftende Sprünge ins kalte Wasser, für die die deutsche Politik offenbar zu feige ist. Dass es uns hierzulande trotzdem noch ziemlich gut geht, veranschaulicht eine Russland-Reportage. Dort droht mit der Einführung eines Gesetzes zum „Schutz Minderjähriger“ die endgültige und gesetzlich festgeschriebene Tabuisierung von Homosexualität. Unser Autor Timo Gerling hat russische Aktivisten und schwule Normalbürger nach dem Status quo befragt. Unsere Parteienserie zur Bundestagswahl wird derweil mit einem Porträt der FDP fortgesetzt.In diesem Rahmen kommt das Thema Homo-Ehe dann doch noch mal auf den Tisch. Dafür sorgt nicht zuletzt ein Interview mit dem schwulen umweltpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion Michael Kauch (selber verpartnert).
So weit, so staatstragend. Ein bisschen Glamour gefällig? Können wir bieten. Also alle mal festhalten: Wir haben ein Interview mit Barbra Streisand im Blatt! Zum Kinostart ihres neuen Films „Unterwegs mit Mum“ hat Babs im Doppelinterview mit Filmsohn Seth Rogen ihre mütterliche Seite rausgekehrt. Wir waren so entzückt, dass wir noch zwei weitere Ikonen angefragt haben. Mit Depeche Mode-Mastermind Martin Gore sprechen wir über Sex und Weltfrieden und mit mit Schlagerkönigin Mary Roos über Botox und schöne Männer.
Apropos schöne Männer. Die Fotostory des Monats gehört einer Horde sexy Stripper. Autor Craig Seymour hat früher selber als Nackttänzer gearbeitet und anlässlich der deutschen Übersetzung seines autobiografischen Buches „All I could bare“ („Nackte Tatsachen“) sein Fotoarchiv für uns geöffnet. Beim Betrachten der Bilder kommen die Frühlingsgefühle von selbst.  Passt auch. Immerhin gilt ab 31. März die Sommerzeit. Dann werden die Tage länger und die Temperaturen steigen.  So lange das mit dem Heiraten nicht klappt, möge man die daraus erwachsenden Energien anderweitig nutzen.  In Düsseldorf gibt‘s am 6. April zum Beispiel eine „Es reicht“-Demo für die „gleichen Rechte der Homosexuellen“. Außerdem startet Ende April in Potsdam die CSD-Saison. Und vielleicht sind ja sogar schon die ersten lauen Cruising-Nächte drin. Ansonsten eignet sich dieses Heft hervorragend für einen mentalen Frühjahrsputz.

Viel Spaß beim Lesen wünscht:

Die MÄNNER-Redaktion

Die Liebe in Gedanken

Andrey PARSHIP Anton Seleznev

Andrey PARSHIP Anton Seleznev

Andrey ist 23, Student, gelegentlich poetisch, liebt Berlin und den neuen Nahen Osten, hat eine Sushi-Obsession und hält Vertrauen für die Grundvoraussetzung in einer Beziehung. Er ist im März unser Single des Monats

Warum bist Du Single?
Leider gab es bis jetzt keine Männer, bei denen meine Schmetterlinge geflogen sind. (lacht)

Was ist die beste Eigenschaft eines Mannes?
Die beste Eigenschaft eines Mannes ist die Ehrlichkeit, denn eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.

Wo trifft man Dich im Sommer?

Im Sommer trifft man mich an der Cote d‘Azur.

Warum bist Du bei der Aktion dabei?
Ich bin bei der Aktion dabei, weil es einen interessanten Eindruck auf mich macht.

Was erwartest Du von einer Partnerschaft?
Eine Partnerschaft ist von vornherein eine positiv empfundene Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich sympathisch finden und einander vertrauen. Eine Beziehung kann nicht ohne Vertrauen funktionieren. Vertrauen ist wie eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, so kommt es bald nie wieder. Jetzt werde ich poetisch. (lacht)

Wie soll Dein Partner sein?

Unabhängig, redegewandt, selbstironisch.

Was ist Dein Lieblingsessen?
Ich bin ein großer Fan der japanischen Küche. Sushi-Obsession!

An welche Reise erinnerst Du Dich besonders gerne und weshalb?
1. Die Reise nach NYC.  Auf der halben Strecke wurde ich Zeuge eines Heiratsantrages.
2.  Die Reise in die Russische Föderation. Moskau ist das Herz Russlands, eine Stadt mit vielen Gesichtern.  Das Highlight dieser Reise war der Besuch des Bolschoi Theaters nach der Rekonstruktion. Atemberaubend!!
3. Die Reise in die Vereinigten Arabische Emirate. Der  „Neue Nahe Osten“ hat mich immer fasziniert. Der Mix aus Moderne und Antike, die islamische Kultur mit ihren gastfreundlichen Menschen sind einmalig.

Was ist Dein Lieblingsfilm?
„Was nützt die Liebe in Gedanken“

Was ist Deine Lieblingsstadt und warum?

Ich liebe Berlin. Weil man Individualist sein kann, ohne ein Wunderling zu sein, es so vielseitig ist  und weil es  für solche Singles wie mich eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten gibt

MACH MIT UND GEWINNE: Wir stellen zusammen mit gay.PASHIP.de/maenner jeden Monat einen Single vor. Um Single des Monats zu werden, könnt ihr euch unter der E-Mail-Adresse maenner@gay-parship.com bewerben. Jeder, der Single des Monats wird, bekommt bei gayPARSHIP.de einen Premium-Account für ein halbes Jahr

„Ich bin ein guter Vater“

Duncan James (Foto: Universal Music)

Duncan James (Foto: Universal Music)

Es ist immer noch nicht leicht für männliche Prominente, öffentlich über ihre Sexualität zu sprechen. Besonders dann nicht, wenn man(n) nicht nur mit Männern schläft. Bisexuell? Igitt, wer macht denn so was? Duncan James zum Beispiel. Der 34-jährige ist ein Viertel der ehemaligen Boyband Blue („inzwischen sind wir Männer“), die seit 2000 die Welt mit Hits wie „All Rise“, „U Make Me Wanna“ und „Sorry Seems To Be The Hardest Word“ beglückt haben. Vor zwei Jahren traten James und seine Kollegen Antony Costa, Lee Ryan und Simon Webbe für ihr Heimatland Großbritannien mit „I Can“ beim Eurovision Song Contest an. Seitdem war es still um Blue. Das ändert sich nun. Ihr erstes neues Studioalbum seit zehn Jahren heißt „Roulette“, ist am 25. Januar erschienen, und die erste Singleauskopplung daraus, eine Ballade namens „Hurt Lovers“, steht nicht nur seit Wochen in den Top Ten der deutschen Charts, sondern ist auch der Song aus „Schlussmacher“ von Matthias Schweighöfer, dem ersten großen Kinohit des Jahres 2013. „Roulette“ ist ein Wagnis: Vier Jahre haben Duncan und seine Kollegen von Blue daran gearbeitet und das Album auch selber finanziert. Vom Erfolg der großartigen CD hängt wohl der Fortbestand der Band ab. Trotzdem ist Duncan James bei seinem einzigen Exklusiv-Interview in Deutschland bemerkenswert entspannt: „Ich bin es gewohnt, Wagnisse einzugehen, beruflich wie privat.“ Darüber wollte MÄNNER mehr erfahren.

Wie war deine Kindheit?
Schön. Ich komme aus einer englischen Mittelklasse-Familie und bin bei meinen Großeltern und meiner Mutter aufgewachsen. Meine Mutter war Krankenschwester. Aber erzogen haben mich eigentlich meine Großeltern. Meine Großmutter war Sekretärin bei der Armee gewesen, und mein Großvater war Oberstleutnant im Ruhestand und der Leiter des musikpädagogischen Bereiches einer Privatschule. Sehr katholisch, sehr englisch, ein fantastischer Pianist. Ein großartiger Mensch, aber eben auch pflichtbewusst und sehr verschwiegen, wenn es um private Probleme ging. Meine Großeltern haben meine Mutter und meine Onkel adoptiert, und als sie früh und unverheiratet schwanger wurde und mein Vater sich davonmachte, haben sie mich quasi als weiteres Kind großgezogen.

Wie hat man dir das erklärt?
Gar nicht. Mein Vater wurde, als ich klein war, so gut wie nie erwähnt. Und wenn, dann war er „dieser Mann“. Meine Großeltern haben ihm nie verziehen, was er meiner Mutter angetan hatte. Und ich brauchte ihn nicht, ich hatte meinen Großvater, der war mein Vater. Meine Mutter war eine wilde Hummel, und sie und meine Großeltern waren sich nicht immer einig darüber, wie ich zu erziehen war. Das war nicht einfach, aber ich bin dankbar für beide Einflüsse: Disziplin und Stabilität von meinen Großeltern und eine eher freigeistige Note von meiner Mutter.

Du bist streng katholisch erzogen worden. Hast du also in der Kirche gelernt, wie man einen Auftritt durchzieht?
Mit Sicherheit. Ich war Messdiener, der einzige in unserer Kirche, jeden Sonntag. Und eine Messe ist ja neben allem anderen auch eine exakt durchgeplante Performance, bei der dir viele Leute zusehen.

Wann hast du entschieden, dass du Musiker werden willst?
Angefangen habe ich ja als Schauspieler. Ich habe mit vier Jesus im Krippenspiel gespielt und seitdem immer alle Hauptrollen in der Kirche und im Schultheater bekommen. Ich war verrückt danach, in Rollen zu schlüpfen, mir Kostüme anzuziehen und dabei jemand anderer zu werden. Ich war nie besonders gut in der Schule, aber habe, seit ich vier war, Klavier gespielt, geschauspielert, gesungen und war gut in Sprachen und Sport.

Der geborene Popstar also.
Ja, vielleicht.

Du klingst fast enttäuscht.

Ach nein, bin ich nicht. Aber ich sehe eine Menge Ähnlichkeiten zwischen mir und meiner Tochter. Sie ist zwar viel besser in der Schule, als ich in ihrem Alter war, aber auch sie bekommt alle Hauptrollen, singt, tanzt und will Leute vor allem unterhalten.

Duncan James (Foto: Universal Music)

Duncan James (Foto: Universal Music)

Bist du ein guter Vater?
Ich bin immer für meine Tochter da, liebe sie sehr und tue alles für mein Kind. Es ist mir wichtig, dass sie weiß, wer ihr Vater ist, weil ich meinen nie getroffen habe. Wir haben eine großartige Beziehung.

Versteht sie schon, was du beruflich machst?
Tut sie. Sie ist jetzt sieben und sieht mich ja im Fernsehen und in Zeitschriften und auf dem Cover von CDs. Und weiß, dass Fremde mich ansprechen, wenn wir in den Supermarkt gehen. Für sie ist das normal.

Wie hast du ihr deine Sexualität erklärt?

Wir haben ihr relativ früh gesagt, dass es sein kann, dass sie irgendwann drei Väter hat: Mich, meinen Freund und den Freund ihrer Mutter. Sie fand das sehr o.k. (lacht)

Ich habe bei der Vorbereitung auf dieses Interview gelesen, dass du deine erste Beziehung zu einem Mann in der Hochphase eures Erfolges hattest und keiner der anderen Jungs in der Band etwas davon mitbekommen hat, obwohl ihr jeden Tag bis zu 16 Stunden miteinander verbracht habt. Wie macht man denn das?
Ich wusste immer, das ich auch an Männern interessiert bin, aber habe diese Gefühle jahrelang einfach weggeschoben. Ich wollte das nicht. Das ging auch ganz gut, bis ich ins Musikgeschäft eingestiegen bin. Wo es, seien wir ehrlich, vor Schwulen einfach nur so wimmelt. Und keiner ein Problem damit hat. Viele Jungs sind einfach schwul, Ende der Geschichte. Da ging es mir wie dem Kind im Süßwarenladen, das nichts kaufen kann. Ansehen ja, aber anfassen ging einfach nicht. Und ich habe verdrängt, verdrängt, verdrängt! Als wir dann auf der ersten Welttournee mit Blue waren, freundete ich mit einem unserer Tänzer an. Wir kamen wirklich richtig gut klar. Ich wusste nur nicht, dass er schwul war. Er hat das auch nie erwähnt. Bis er sich eines Tages im Tourbus zu mir umgedreht hat und gesagt hat: „Dir ist klar, dass ich schwul bin, oder? Ich wollte dir das nur gesagt haben.“

War das ein Angebot?
Nicht wirklich. Er wollte das nur klären. Wir waren Freunde, und es war ihm wichtig, dass ich wusste, dass er schwul ist. Das war alles. Aber eines Abends nach der Show saßen wir alle zusammen, die Band und die Tänzer, und jeder hat jeden massiert. Die Shows sind körperlich anstrengend, man hilft sich so. Und er kam zu mir und sagte „Ich massiere echt gut.“ Ich sagte, „Dann mach mal.“ Und während er mich massierte, merkte ich, dass das für mich mehr war als nur eine einfache Massage. Nicht direkt sexuell, aber ich konnte ihn ganz genau spüren, seine Energie, und fand das gut. An dem Abend ist nichts passiert, ich beließ es einfach dabei. Aber wir haben danach so ein bisschen angefangen, miteinander zu flirten. Am Abend der allerletzten Show gab’s eine riesige Aftershow-Party, und ich freute mich einfach ganz doll darauf, ihn da zu sehen. Wir waren dann beide betrunken, und er hat seine Hand auf meinen Oberschenkel gepackt und gesagt, „Du wirst mir echt fehlen.“ Und ich habe gesagt, „Du mir auch.“ Er erzählte mir, dass er eine Woche später, an Weihnachten, für ein paar Monate nach New York ziehen würde, um da zu arbeiten. Und dann sind wir beide nach Hause gegangen, getrennt. Er hat mir am nächsten Tag eine SMS geschrieben, in der stand, dass er mich wirklich, wirklich mag, und ich habe zurückgeschrieben, dass ich ihn auch sehr mag, aber auch verwirrt sei und keine Ahnung hätte, was ich gerade genau fühlte. Und das war’s. An Weihnachten fehlte er mir furchtbar. Und dann meldete er sich und fragte mich, was ich an Silvester machen würde und ob ich nicht nach New York kommen wolle. Also habe ich meine Mutter gefragt, ob sie nicht übers Neujahrs-Wochenende mit mir nach New York fliegen will: tolles Hotel, bisschen shoppen, im Central Park Schlittschuhlaufen, so was. Natürlich wollte sie. Also sind wir nach New York geflogen, ich habe ihn angerufen, meine Mutter hatte auch einen Freund da, und wir waren an dem Abend alle vier zusammen essen.

Und dann?
Dann ist meine Mutter ins Bett gegangen, und er kam mit auf mein Hotelzimmer. Und ich dachte die ganze Zeit: „Hier geht noch was. Hier geht noch was.“ Und es ging auch was: Wir hatten dann zum ersten Mal Sex.

Duncan James (zweiter von rechts) mit seinem Bandkollegen von Blue (Foto: Universal Music)

Duncan James (zweiter von rechts) mit seinem Bandkollegen von Blue (Foto: Universal Music)

War’s schön?
Ich war echt betrunken, aber es war auch echt schön, ja. Ich kann das auch beweisen: Am Anfang wollten wir nur einen Film angucken und haben uns dazu aufs Bett gesetzt. Aus irgendwelchen Gründen hatten wir uns Jackass – Der Film ausgesucht. Und ich kann mich an die ersten fünf Minuten und den Abspann des Films erinnern, dazwischen hatten wir Sex. Und während der Abspann lief, habe ich mich zu ihm umgedreht und gesagt: „Toller Film, echt.“ (lacht) Und das war mein erstes Mal mit einem Mann.

Da warst du 23.
Ja, und mitten in der Nacht bin ich dann aufgewacht, hab mich total schuldig gefühlt und habe gedacht: „Moment, ich bin hetero, was soll das?“ Dann bin ich in das andere Bett im Zimmer gekrochen und habe morgens versucht ihm zu erklären, dass ich nicht „so“ wäre.  Er fand das gar nicht komisch. Aber ich hatte einfach Panik. Wir hatten danach eine lange Beziehung, die daraus bestand, dass wir uns absolut heimlich in Hotelzimmern getroffen haben.

Warst du verliebt?
Total, bis über beide Ohren. Er auch in mich. Aber ich war einfach noch nicht so weit und hab ihm echt weh getan. Ich schlief ja zu der Zeit auch noch mit Frauen. Und habe versucht, ihm das auch zu erklären. „Ich bin nicht du. Doch, ich liebe dich auch. Aber ich kann so nicht sein. Ich bin in Blue.“ Dann ist er nach L.A. gezogen und hat neun Monate nicht mit mir gesprochen. In dieser Zeit habe ich eine Frau getroffen, in die ich mich auch total verliebt habe und mit der ich dann anderthalb Jahre zusammen war. In einem Paralleluniversum wären sie und ich heute verheiratet und hätten drei Kinder, aber irgendwas hat mir bei ihr immer gefehlt. Das war er. Ich habe angefangen, ihn furchtbar zu vermissen, und das war ihr gegenüber nicht fair, also habe ich Schluss mit ihr gemacht und habe ihn kontaktiert. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe und vermisse. Er kam zurück, und wir kamen einander wieder näher. Und dann habe ich die Mutter meiner Tochter getroffen, und sie war kurz danach schwanger. Und das ging für ihn nicht. Das war 2004. Er hat dann drei Jahre lang nicht mit mir gesprochen. Sein Herz war gebrochen. Meins auch.

Und heute?
Heute sind wir wirklich gute Freunde. Aber 2004 war ein extrem schwieriges Jahr. Er war weg, meine andere Beziehung war weg, ich wurde Vater, und außerdem war ich ja noch in Blue, der weltweit erfolgreichen Band. Ich dachte, ich drehe durch. Das war der Moment, wo ich erst meinem Bandkollegen Simon und dann meiner Mutter davon erzählt habe und natürlich Claire, der Mutter meiner Tochter. Ich heulte und zitterte und alle waren cool und liebten mich einfach weiter und Claire sagte, „Ich wusste es.“

Und deine Mutter?
Die erinnerte mich daran, dass ich mit neun immer ihre hochhackigen Schuhe angezogen habe und so tat, als wäre ich Vanessa Paradis. Joe Le Taxi war mein Lieblingslied, und ich habe es oft performt. (grinst) Sie hat gesagt, seitdem hat sie ab und zu gedacht, da stimmt doch was nicht. Welcher Junge macht so was auch?

Ich kenne da einige.
(lacht) Meine Mutter wollte einfach, dass ich eine klassische Familie habe, weil sie das nicht hatte. Das hat sich inzwischen gegeben.   Ich habe inzwischen einige lange Beziehungen mit Männern gehabt, und alle haben sich daran gewöhnt.

Duncan James (ganz rechts) mit seinem Bandkollegen von Blue und Matthias Schweighöfer am Set von "Schlussmacher" (Foto: Universal Music)

Duncan James (ganz rechts) mit seinem Bandkollegen von Blue und Matthias Schweighöfer am Set von "Schlussmacher" (Foto: Universal Music)

Wie war es, als 2009 das englische Klatschblatt News of the World anrief und dir sagte, sie wüssten Bescheid und würden dir die Möglichkeit geben, dein Outing selbst zu steuern – oder eben auch nicht?
Der vielleicht schwierigste Tag in meinem Leben. Kennst du das Gefühl, wenn du weißt, etwas Schlimmes wird passieren, du weißt nur noch nicht wann? So hatte ich mich jahrelang gefühlt. Ich habe immer auf diesen Anruf gewartet. Ich hatte nie über mein Privatleben gesprochen, nie über mein Sexualleben, egal ob mit Männern oder Frauen. Und als News of the World dann anrief und sagte: „Wir können unsere Story bringen oder Duncan sagt es uns in seinen eigenen Worten. Oder ihr könnt eine einstweilige Verfügung erwirken und das dann zweimal im Jahr mit einem neuen Boulevardblatt machen. Was soll es sein?“, war der Moment gekommen. Mein Presseagent ist schwul und wusste Bescheid und hat gesagt, „Mach es auf deine Art.“ Es war unglaublich hart für mich. Ich hatte furchtbare Angst. Als der Reporter kam, habe ich am ganzen Körper gezittert. Aber er war nett und wollte mich wirklich nicht in die Pfanne hauen, sondern einfach meine Geschichte erzählen. Er hat gesagt: „Ich weiß, du hast eine Tochter. Wir machen nichts, wofür du dich ihr gegenüber schämen musst.“ Bevor der Artikel erschien, habe ich alle angerufen, denen ich es noch nicht erzählt hatte, und musste es ihnen erklären. Und alle waren absolut cool. „Ja, ist gut. Und. Bist du o.k.? Können wir irgendwie helfen?“ Ich habe seitdem nie auch nur eine einzige schlechte Erfahrung gemacht, bin nie angepöbelt oder angegriffen worden. Das ist sicher auch Glück. Viele Leute haben mir geschrieben, mir ihre eigenen Coming-out-Storys erzählt und sich bedankt. Jetzt, vier Jahre später, kann ich nur sagen: Das war das Beste, was ich je für mich getan habe. Jetzt kann ich hier sitzen, und wir reden über mein erstes Mal, und alles ist gut. Ich bin glücklich.

Wünscht du dir manchmal, du hättest es früher getan?
Hab ich nicht. Verschüttete Milch. Es ist gut so, wie es jetzt ist.

Blue: Roulette, jetzt erhältlich





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