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VERLIEBT: MÄNNER IM MAI

Liebe Leser,

Ein bisschen erschrocken haben wir uns schon, als die Themenliste für dieses Heft fertig war. Da standen Agneta Fältskog, Claudia Roth, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Cascada in einer Reihe. Was für ein Weiberhaufen! Aber passt schon. Immerhin findet in diesem Monat der Eurovision Song Contest in Malmö statt und auch dort ist ein massiver „Frauenüberschuss“ in der Teilnehmerriege zu verzeichnen. Das wäre halb so schlimm, wenn man bei einigen der antretenden Sängerinnen nicht das musikalische Talent in Zweifel ziehen müsste. Was die deutsche Teilnehmerin Natalie Horler alias Cascada angeht, sagen wir nur so viel: Unser Interview mit der 31-Jährigen war so nett, dass wir ihr am 18. Mai ohne schlechtes Gewissen die Daumen drücken, auch wenn wir keine großen Fans ihres Songs „Glorious“ sind, der wirklich keinen Glanzmoment der Eurovisions-Geschichte darstellt. Aber auch echte ESC-Legenden kommen in dieser Ausgabe zu Wort. Und zwar in unserem Vier-Augen-Gesprächs mit Abba-Blondine Agneta Fältskog. Die Schwedin hat ein Soloalbum aufgenommen und taucht damit 39 Jahre nach ihrem Grand-Prix-Triumph mit „Waterloo“ und jahrelanger Funkstille aus der medialen Versenkung auf. Unsere Autorin Katja Schwemmers hat mit der „Greta Garbo des Pop“ übers Älterwerden und das Verhältnis zu den ehemaligen Bandkollegen geplaudert.
Um knallharten Machtkampf geht‘s bei unseren Polit-Ladies. Während Grünen-Schwulenmutti Claudia Roth den Liberalen im Gespräch mit Hans-Herrmann Kotte progressives Gerede bei völliger Tatenlosigkeit vorwirft, kontert Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger  (FDP), indem sie klare Signale in Richtung ihres Koalitionspartners CDU schickt und die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe fordert.
Und da ist es schon wieder. Das Reizwort der letzten Monate. In letzter Zeit haben wir uns redaktionsintern oft gefragt, ob die schwule Heiraterei abgesehen vom Gleichberechtigungs-Aspekt überhaupt eine erstrebenswerte Sache ist. Diese Diskussion schlägt sich in diesem Heft in einem Kommentar von Paul Schulz nieder – der der unpopulären Ansicht ist, dass die Homo-Ehe eigentlich ein Rückschritt in die Kontrollsphären der Heteronormen ist. Wir freuen uns jetzt schon über Lesermeinungen zu der provokanten Streitschrift. Und nun zu den Themen, die dem Namen dieses Heftes im wörtlichen Sinne Ehre machen: Allen voran sind da unsere Cover-Models Max Riemelt und Hanno Koffler zu nennen. Den einen kennt man durch seine Auftritte in Kinofilmen wie „Die Welle“ oder „Napola“, den anderen als Boller-Homo aus „Sommersturm“ und Hauptfigur im Soldaten-Drama „Nacht vor Augen“. Nun spielen die beiden im Kinofilm „Freier Fall“ zwei Polizisten, deren scheinbar so geordnete Leben aus der Bahn geworfen werden, als sie sich unerwartet ineinander verlieben. MÄNNER hat Hanno und Max für ein exklusives Fotoshooting samt Interview gewonnen und sich davon überzeugen können, dass die beiden nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im wahren Leben ein schönes Paar abgeben. Zusätzlich gibt‘s eine Reportage über den wahren Alltag schwuler Polizisten in Deutschland, eine Fotostrecke zum neuen Bildband „Turn on: Boys“ und munteres Seilhüpfen mit Redaktionstrainer Patrick Thomalla. Das sollte reichen, um den Mai auszufüllen. Ab Juni meldet sich von dieser Stelle der neue MÄNNER-Chefredakteur David Berger. Bis dahin grüßen wir ein letztes Mal im Kollektiv als:

Die MÄNNER-Redaktion

Nackte Jungs Angucken

Der Journalist Craig Seymour hat jahrelang als Stripper gearbeitet. Jetzt erscheint seine Autobiografie “Nackte Tatsachen”. Ein Gespräch über Sex, Politik und schöne Männer

Interview: Paul Schulz /Fotos: Craig Seymour

Craig, in deiner Autobiografie geht es ziemlich zur Sache. Hat deine Mutter das Buch schon gelesen?
(lacht) Ja, meine Eltern haben das Manuskript beide zu lesen bekommen, bevor das Buch in den USA erschien. Schon, weil sie darin auch als Figuren vorkommen. Allerdings hatte ich eine Bedingung: Sie mussten es erst zu Ende lesen, bevor sie etwas dazu sagen durften.

Warum wolltest du das?
Weil das Buch ganz gut erklärt, wieso ich als 22-Jähriger Doktorant in Washington überhaupt angefangen habe zu strippen und darüber auch meine Doktorarbeit geschrieben habe.

Und das war so, weil …?
Für mich war das Ganze eine Herausforderung und vielleicht der letzte Schritt zum Erwachsenwerden. Ich war ein schüchternes, braves Kind, und mich mit Anfang Zwanzig auf eine Bühne zu stellen, mir die Kleider vom Leib zu reißen und mich dann von anderen Männern überall anfassen zu lassen, war ein so großer Gegensatz zu dem Leben, was ich bis dahin geführt hatte, dass es schlagartig alles veränderte. Bücherschreiben, unterrichten, Fotograf sein, ich hätte nichts von dem getan, wenn ich nicht vorher Stripper gewesen wäre. Seine Angst über Bord zu werfen und Dinge einfach zu tun, von denen man nie dachte, dass man sie einmal tun würde, das war eine ganz grundlegende Erfahrung für mich.

Wie kam es denn überhaupt zu all dem?
Stripclubs waren der erste Ort auf der Welt, wo ich ganz ohne Angst andere Jungs angucken konnte, sie waren ein wichtiger Teil meines Coming-outs. Ich habe mich dort als schwuler Mann zum ersten Mal komplett sicher und zuhause gefühlt. Und das ist heute noch so. Ich war also Fan, bevor ich Akteur wurde (lacht).

Ist es ein gutes Gefühl, nur in Socken von 50 anderen Männern angesehen und begehrt zu werden?
Wer sagt dir denn, dass die einen immer begehren? Die Chance, von 50 Jungs gleichzeitig offen zurückgewiesen zu werden, weil dir niemand Trinkgeld gibt oder dich niemand anfassen will, ist groß. Deswegen ist es besser, wenn du dein Selbstbewusstsein aus etwas anderem als deinem Körper beziehst. Aber Strippen ist auch viel mehr als nur, sich auszuziehen.

Was denn?
Mit vielen der Stammkunden baut man als Stripper eine wirklich enge Bindung auf.

Deren Grundlage der Austausch von Bargeld ist.
Ja, aber das heißt ja für die Qualität der Bindung erst einmal nichts. Du kannst trotzdem mit vielen deiner Kunden ein freundschaftliches Verhältnis haben. Wenn jemand dir so zeigt, was er wirklich geil findet und dich sein Begehren sehen und spüren lässt, dann ist das sehr intim, sehr ehrlich und deswegen nicht die schlechteste Grundlage für eine Freundschaft. Der Körperkontakt zwischen Stripper und Gast ist ja etwas streng Reguliertes, die Regeln stehen fest.

In deinem Fall erlaubten die Regeln, dass die Gäste dich an den steifen Schwanz fassen und dir den Arsch streicheln. Ist das keine sexuelle Dienstleistung?
Klar ist es das. Und? Einer der großen Mythen über Stripper ist, dass die meisten ihren Job machen, weil sie in irgendeiner Zwangslage sind. Oder dumm. Oder beides. Das ist Quatsch. Viele der Jungs haben einen Heidenspaß bei der Arbeit und werden hervorragend bezahlt.

Hat der Job also keinerlei Nachteile?
Doch, sogar einige. Aber die haben oft wenig mit der Arbeit selbst zu tun. Dass du den wenigsten Menschen erzählen kannst, dass du Sexwork machst, ohne misstrauisch beäugt zu werden, ist ein immenser Nachteil. Ich erzähle ja im Buch ausführlich davon, dass ich immer Angst davor hatte, einer meiner Kollegen aus der Uni oder einer meiner Studenten könnte mich sehen. Es brauchte eine Weile, bis ich das Selbstbewusstsein entwickelt hatte, da drüberzustehen.

War das auch der Grund dafür, das Buch zu schreiben?
Nein, der war wirklich „historisch”. Die Washingtoner Clubs, in denen ich gearbeitet hatte, sind vor gut zehn Jahren abgerissen worden. Da habe ich längst erfolgreich als Journalist gearbeitet, war aber natürlich am Abend, bevor die Bagger anrückten, noch einmal da, um diesem Teil meiner Jugend Lebwohl zu sagen. Und da ging mir auf: „Das hier ist Geschichte, schwule Geschichte,
die verloren geht, wenn sie niemand aufschreibt.” Also habe ich das getan. An den Stripclubs und ihren Besuchern lässt sich die gesamte Geschichte der Schwulenbewegung nachvollziehen, aber auch viel über sich verändernde Sexualmoral ablesen.

Früher war mehr los, oder?
(lacht) So kann man das zusammenfassen. Mit dem Streben nach Gleichberechtigung ging auch die Herausbildung eines schwulen Mainstreams einher, der von heterosexuellen Wünschen und Träumen heute kaum noch zu unterscheiden ist. Viele Schwule wollen heiraten und Kinder bekommen. Was sie auch alle können sollen. Aber das darf nicht bedeuten, dass das Sprechen oder Nachdenken über schwule Sexualität unterbunden oder erschwert wird oder die Orte, an denen Sexualität abgebildet wird, geschlossen werden.

Verschwindet schwule Sexualität aus der Öffentlichkeit?
Sie ist viel weniger sichtbar als zu der Zeit, zu der ich gestrippt habe. Da waren die schmutzigen kleinen Randbezirke, in denen das stattfand, ein Fixpunkt in der schwulen Szene, der natürlich auch politisch besetzt war und wurde, ein körperlicher, aber natürlicher auch ein geistiger Spielraum, in dem man experimentieren und Dinge ausprobieren konnte.

Haben schwule Männer also inzwischen Angst vor ihrer eigenen Sexualität und verstecken sie?
Ich kann nicht für alle sprechen, aber die Anzahl der Orte, an denen Sexualität noch öffentlich passiert, hat sich sehr verkleinert. Was auch mit HIV zu tun hat und paradox ist, weil mir die Clubs erst beigebracht haben, dass schwule Sexualität auch etwas ist, was man feiern kann, statt sich ständig nur davor zu fürchten. Ich glaube, so geht es vielen in meiner Generation.

Wenn du heute in Stripclubs gehst, erzählst du den Tänzern, dass du das früher auch gemacht hast?
Nicht von mir aus. Ich bin ja nach wie vor auch da, um mir schöne nackte Jungs anzugucken, und will das in Ruhe tun können. Aber oft erkennt mich auch irgendwer und kommt dann zu mir rüber und sagt, “Bist du nicht der Typ, der dieses Buch geschrieben hat?” Was merkwürdig ist, weil dadurch die garantierte Anonymität, die ein Besuch in den Clubs für mich auch bedeutet hat, verlorengegangen ist. Aber es ist viel lustiger, mit Menschen über schwule Geschichte zu sprechen, während über dir jemand seine Kleider abwirft. (lacht)

Die Fotos auf dieser und den nächsten Seiten sind alle von dir. Warum fotografierst du Stripper? Kannst du dich immer noch nicht vom Thema lösen?
Ich will gar nicht. Ich möchte das dokumentieren, die Lebensfreude abbilden, die man hier auf der Bühne und vor der Bühne erleben kann, die Clubs als Ort von Freiheit und Sexualität darstellen und so für die Nachwelt festhalten. Ich bin auf der Suche nach einer bestimmten Energie, die ich ursprünglich schwul und ganz und gar einzigartig finde und die auf den Fotos hoffentlich rüberkommt. Es geht mir darum, mein und damit vielleicht auch unser Begehren für die Nachwelt festzuhalten.

Nackte Tatsachen, Bruno Gmünder, 240 Seiten, 16,95 Euro

Mehr zu Craig und seine Fotos: http://www.craigseymourphotography.com/

GEFÜHLVOLL: MÄNNER IM APRIL

Liebe Leser,

Ganz ehrlich: Uns schwirrt der Kopf von der Debatte um die Homo-Ehe. Nicht genug, dass Volker Beck uns während der Produktion dieses Heftes mit gefühlten zehn bis zwanzig Pressemeldungen pro Tag zuschüttete. Wenn man sich am Abend vorm Fernseher entspannen wollte, ging die Debatte auch noch bei Jauch, Plasberg und Konsorten weiter – mit allen Beklopptheiten, die sich die Gleichstellungsgegner in ihren kleinkarierten Heterohirnen zurechtgelegt hatten. Die Lust aufs Heiraten konnte einem da schnell vergehen, die Sehnsucht nach ein wenig Existenzialismus wurde dafür umso lauter. Also haben wir die Arbeit zur Horizonterweiterung genutzt. Das Thema Homo-Ehe bleibt in dieser Ausgabe weitgehend außen vor, dafür beschäftigen wir uns mit Menschen, die ihr Leben umgekrempelt und einen Neustart gewagt haben. Angefangen bei Rosenstolz-Mastermind Peter Plate, der in diesem Monat mit dem Album „Schüchtern ist mein Glück“ eine zweite Karriere als Solokünstler startet, bis hin zur transsexuellen Gender-Ikone Kate Bornstein und dem Londoner DJ Raph Solo, der erst über den Umweg einer Umpolungstherapie seine Homosexualität zu akzeptieren lernte, geht es hier durchweg um sinnstiftende Sprünge ins kalte Wasser, für die die deutsche Politik offenbar zu feige ist. Dass es uns hierzulande trotzdem noch ziemlich gut geht, veranschaulicht eine Russland-Reportage. Dort droht mit der Einführung eines Gesetzes zum „Schutz Minderjähriger“ die endgültige und gesetzlich festgeschriebene Tabuisierung von Homosexualität. Unser Autor Timo Gerling hat russische Aktivisten und schwule Normalbürger nach dem Status quo befragt. Unsere Parteienserie zur Bundestagswahl wird derweil mit einem Porträt der FDP fortgesetzt.In diesem Rahmen kommt das Thema Homo-Ehe dann doch noch mal auf den Tisch. Dafür sorgt nicht zuletzt ein Interview mit dem schwulen umweltpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion Michael Kauch (selber verpartnert).
So weit, so staatstragend. Ein bisschen Glamour gefällig? Können wir bieten. Also alle mal festhalten: Wir haben ein Interview mit Barbra Streisand im Blatt! Zum Kinostart ihres neuen Films „Unterwegs mit Mum“ hat Babs im Doppelinterview mit Filmsohn Seth Rogen ihre mütterliche Seite rausgekehrt. Wir waren so entzückt, dass wir noch zwei weitere Ikonen angefragt haben. Mit Depeche Mode-Mastermind Martin Gore sprechen wir über Sex und Weltfrieden und mit mit Schlagerkönigin Mary Roos über Botox und schöne Männer.
Apropos schöne Männer. Die Fotostory des Monats gehört einer Horde sexy Stripper. Autor Craig Seymour hat früher selber als Nackttänzer gearbeitet und anlässlich der deutschen Übersetzung seines autobiografischen Buches „All I could bare“ („Nackte Tatsachen“) sein Fotoarchiv für uns geöffnet. Beim Betrachten der Bilder kommen die Frühlingsgefühle von selbst.  Passt auch. Immerhin gilt ab 31. März die Sommerzeit. Dann werden die Tage länger und die Temperaturen steigen.  So lange das mit dem Heiraten nicht klappt, möge man die daraus erwachsenden Energien anderweitig nutzen.  In Düsseldorf gibt‘s am 6. April zum Beispiel eine „Es reicht“-Demo für die „gleichen Rechte der Homosexuellen“. Außerdem startet Ende April in Potsdam die CSD-Saison. Und vielleicht sind ja sogar schon die ersten lauen Cruising-Nächte drin. Ansonsten eignet sich dieses Heft hervorragend für einen mentalen Frühjahrsputz.

Viel Spaß beim Lesen wünscht:

Die MÄNNER-Redaktion

Die Liebe in Gedanken

Andrey PARSHIP Anton Seleznev

Andrey PARSHIP Anton Seleznev

Andrey ist 23, Student, gelegentlich poetisch, liebt Berlin und den neuen Nahen Osten, hat eine Sushi-Obsession und hält Vertrauen für die Grundvoraussetzung in einer Beziehung. Er ist im März unser Single des Monats

Warum bist Du Single?
Leider gab es bis jetzt keine Männer, bei denen meine Schmetterlinge geflogen sind. (lacht)

Was ist die beste Eigenschaft eines Mannes?
Die beste Eigenschaft eines Mannes ist die Ehrlichkeit, denn eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.

Wo trifft man Dich im Sommer?

Im Sommer trifft man mich an der Cote d‘Azur.

Warum bist Du bei der Aktion dabei?
Ich bin bei der Aktion dabei, weil es einen interessanten Eindruck auf mich macht.

Was erwartest Du von einer Partnerschaft?
Eine Partnerschaft ist von vornherein eine positiv empfundene Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich sympathisch finden und einander vertrauen. Eine Beziehung kann nicht ohne Vertrauen funktionieren. Vertrauen ist wie eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, so kommt es bald nie wieder. Jetzt werde ich poetisch. (lacht)

Wie soll Dein Partner sein?

Unabhängig, redegewandt, selbstironisch.

Was ist Dein Lieblingsessen?
Ich bin ein großer Fan der japanischen Küche. Sushi-Obsession!

An welche Reise erinnerst Du Dich besonders gerne und weshalb?
1. Die Reise nach NYC.  Auf der halben Strecke wurde ich Zeuge eines Heiratsantrages.
2.  Die Reise in die Russische Föderation. Moskau ist das Herz Russlands, eine Stadt mit vielen Gesichtern.  Das Highlight dieser Reise war der Besuch des Bolschoi Theaters nach der Rekonstruktion. Atemberaubend!!
3. Die Reise in die Vereinigten Arabische Emirate. Der  „Neue Nahe Osten“ hat mich immer fasziniert. Der Mix aus Moderne und Antike, die islamische Kultur mit ihren gastfreundlichen Menschen sind einmalig.

Was ist Dein Lieblingsfilm?
„Was nützt die Liebe in Gedanken“

Was ist Deine Lieblingsstadt und warum?

Ich liebe Berlin. Weil man Individualist sein kann, ohne ein Wunderling zu sein, es so vielseitig ist  und weil es  für solche Singles wie mich eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten gibt

MACH MIT UND GEWINNE: Wir stellen zusammen mit gay.PASHIP.de/maenner jeden Monat einen Single vor. Um Single des Monats zu werden, könnt ihr euch unter der E-Mail-Adresse maenner@gay-parship.com bewerben. Jeder, der Single des Monats wird, bekommt bei gayPARSHIP.de einen Premium-Account für ein halbes Jahr

JENSEITS DER MAUERN

Paulo (Matila Malliarakis, links) und Ilir (Guillaume Gouix): Die große Liebe

Paulo (Matila Malliarakis, links) und Ilir (Guillaume Gouix): Die große Liebe


MÄNNER präsentiert die GAY-Filmnacht: Die aufregend authentische Liebesgeschichte „Jenseits der Mauern“, das Debütwerk des belgischen Filmemachers David Lambert, ist der wichtigste Homofilm des Frühjahrs. Schon gleich nach seiner Weltpremiere in Cannes im vergangenen Mai wurde er mit „Weekend“ und „Keep the Lights On“ verglichen und die drei herausragenden Filme über schwule Beziehungen zur New Queer Wave ausgerufen. Ein Exklusivinterview über Liebe, Sex und Zeitdruck

Interview: Thomas Abeltshauser

David Lambert, die meisten Erstlingsfilme handeln von Selbsterlebtem der Regisseure, sind stark autobiografisch…

Meiner auch! (lacht) Er ist wirklich persönlich, aber er ist nicht im strengen Sinne autobiografisch. Ich vermische drei Liebesbeziehungen, die ich im Alter zwischen 20 und 30 hatte. Natürlich ist es meine eigene Sichtweise auf die Liebe und was es bedeutet, sie zu verlieren. Es beschreibt im Grunde zwei Seiten einer Medaille. Die erste Hälfte des Films beschreibt, wie sich zwei Menschen begegnen, sie sich verlieben und diese Liebe wächst. Was sie verbindet, wie sie sich immer näher kommen und es schließlich zu einer Vereinigung kommt, einer Art, sagen wir: Alternativhochzeit. Und dann fällt alles auseinander. Die Welt verändert sich und die zwei Männer, die im Stadtzentrum sehr frei ihre Liebe leben konnten, sind plötzlich gar nicht mehr frei. Und Liebe ist nicht mehr möglich, so sehr sie es auch immer wieder versuchen.

Wenn es so sehr auf eigenen Erfahrungen beruht: Wer von den beiden ist dir näher?
Ganz ehrlich: ein bisschen beide. Den ersten Entwurf des Drehbuchs habe ich mit 22 geschrieben, es war wirklich schlecht, ein Desaster. Aber ich hatte 100 Seiten, die man als Drehbuch erkennen konnte. Damals interessierte mich Paulos Perspektive mehr, es war eher ein psychologisches Drama über Gefängnis und Inhaftierung. Es war sehr düster und traurig, ohne jeden Humor. Anfangs identifizierte ich mich nur mit ihm, aber je mehr Gedanken ich mir über Illir machte, ließ ich viel von meiner zweiten längeren Beziehung einfließen. Es war ein langer Prozess. Ich wollte auch lange einen Regisseur dafür suchen, weil ich mich nur als Autor gesehen habe. Schreiben hat mich immer am meisten interessiert. Ich habe mich dann im Laufe der Jahre immer wieder mit Regisseuren getroffen und sie haben mir alle dasselbe gesagt: „Du musst das selbst machen!“ Es war einfach zu intim und persönlich, sie fanden keinen Platz für sich. Aber der Prozess des Schreibens hat sich über so viele Jahre gezogen, dass ich gar nicht genau benennen kann, was davon wirklich ich bin. Ich schreibe wirklich sehr viel, sogar noch während des Drehs.

Was sehr ungewöhnlich ist.  Eigentlich verlangt der Zeitdruck, dass da längst alles klar ist, oder?
Ich hatte zum Glück die Freiheit auf das zu reagieren, was an einem Tag zwischen den Darstellern passierte und bis zum nächsten Morgen Szenen entsprechend umzuschreiben. Wir drehten in chronologischer Reihenfolge, nur so war das überhaupt möglich. Das ist purer Luxus, aber das war von Anfang an meine Bedingung. Und wir haben viel improvisiert, weil ich mich auf meine Schauspieler verlassen konnte. Die Szene mit dem Armdrücken, zum Beispiel. Ich wollte diesen Einfluss der Darsteller. Aber noch mal zum Drehbuch: Ich habe die erste Version damals in Berlin geschrieben. Ich wohnte im Prenzlauer Berg, Lychener Straße 50. Ich lebte zehn Monate in Berlin, mein damaliger Freund saß in Paris im Gefängnis und ich wartete auf ihn, wie im Film. Als er entlassen wurde, trafen wir uns und es war eine Katastrophe.

Sprichst du deutsch?
Ich konnte kein Wort, als ich ankam. Ich lernte dann, was man so braucht. Aber als ich die Stadt nach zehn Monaten wieder verließ, brauchte ich es nie wieder. Und so habe ich das meiste vergessen, leider. Wenn ich mal wieder länger da wäre, würde es sicher zurückkommen.

Als ich den Film in Cannes gesehen habe, hat mich die Art, wie du schwules Leben zeigst, abseits der üblichen Klischees, sehr an „Weekend“ und „Keep the Lights On“ erinnert. Ist das Zufall? Oder ändert sich da gerade etwas?
Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber mir war zumindest von Anfang an klar, dass ich nichts über Comingout machen wollte oder wie schwer man es als Schwuler hat. Ich wollte meine Charaktere wie Romeo und Julia, ohne das ganze gay Blabla. Ich wollte etwas Universelles erzählen und zugleich etwas sehr Spezifisches. Es sind nun mal zwei Typen und die haben einen ganz bestimmten Sexdrive und eine ganz bestimmte Art ihre Beziehung zu führen. Auch die Zärtlichkeit zwischen ihnen. Mich hat bei Filmen immer frustriert, dass das Schwulsein immer nur auf zwei Dinge reduziert wurde: eine düstere Sexualität, bei der es auch wirklich nur um Sex ging, ohne Liebe und oder Zuneigung. Oder man sieht den Schwulen als tuntigen, tratschenden und völlig asexuellen Mitbewohner und beste Freund, dessen Hauptcharakterzug und Aufgabe im Film eben das ist: er ist „der Schwule“. Was soll das? Wenn ich beschließe, eine Figur ist hetero, ist das noch lange keine Geschichte. Ich wollte dreidimensionale, glaubwürdige Figuren in einer Liebesgeschichte, weg von all den Klischees.

Warum hat das vorher kaum jemand gemacht?
Ich hatte ein großes Problem bei der Finanzierung des Films. Mir wurde immer wieder gesagt: „Wir sehen doch jede Woche schwule Figuren irgendwo im Fernsehen, das ist nicht interessant.“ Und ich fragte zurück, wann sie das letzte Mal einen Spielfilm mit zwei Männern gesehen haben, die sich lieben und leiden und eine ernstzunehmende Beziehung haben. Und dann wurde immer „Brokeback Mountain“ genannt. Der ist acht Jahre her! Und es war ein amerikanischer Film und er spielte in der Vergangenheit. Man sieht einfach keine Geschichten über gleichgeschlechtliche Beziehungen im europäischen Kino! Und jetzt kommt von manchen Journalisten die Frage, ob ich als Debütfilmer keine Angst habe, mit diesem Film in ein Ghetto gesteckt zu werden. Was für eine bescheuerte Frage!

Wie sind die Reaktionen jetzt, nachdem der Film fertig ist?
Viele Leute lieben den Film, weil es eine Liebesgeschichte ist, die Gendergrenzen überschreitet. Irgendwann vergessen die Zuschauer, dass es zwei Typen sind. Mir sagten etliche Heteromänner, dass sie nicht dachten, dass zwei Männer so eine intensive, komplexe Beziehung haben könnten. Sie dachten, da ginge es nur um Sex. Schön, wenn ich da zur Aufklärung beitragen kann.

Alle Orte und Termine für die Gay-Filmnacht: http://www.gay-filmnacht.de/





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