Was willst du werden, wenn du groß bist?
Als Kind hatte ich nie eine Antwort auf diese Frage. Wohl in weiser Voraussicht, dass meine Ideen bei den Erwachsenen damals nicht so gut angekommen wären.
Als Teenager war ich dann erst mal mit dem Schwulsein beschäftigt. Ich ahnte, dass die Frage danach, was man werden will – die Frage nach dem Beruf – mit der Identitätsfrage nicht unbedingt etwas zu tun haben muss. So trat an die Stelle der Frage „Was willst du werden?“, eine andere Frage: „Wie werde ich am besten schwul?“
Die hauptsächlich heterosexuelle Umwelt konnte einem dabei kaum helfen, aber schwule Kids kriegen schon irgendwie mit, wie es läuft. Eine wichtige Rolle bei der Selbstfindung spielen Pornos. Heute mehr denn je. Denn schließlich geht es darum, die eigne Sexualität zu entdecken. Dabei können Pornostars noch viel mehr sein als Wichsvorlagen.
Ihr Aussehen prägt den schwulen Stil. Ihr Umgang mit Männern, ihre Gesten, ihre Blicke beeinflussen unser Verhalten. Auch wenn wir wissen, dass es pure Fantasie ist, haben sie eine Auswirkung auf unser reales Leben. Ob wir wollen oder nicht. Für Schwule sind Pornostars – mehr noch als Popstars – zu Superstars geworden (siehe Seite 12). Einer von Ihnen, Michael Lucas, erzählt in unserem Interview ausführlich von der Arbeit vor und hinter der Kamera (Seite 16). Einblicke in die Glamour-Welt des Porno gibt auch die legendäre Porno-Produzentin Chi Chi LaRue (Seite 26)
Man muss nicht gleich zum Pornostar werden, um sein Schwulsein zum Beruf zu machen. Eine andere Möglichkeit ist es zum Beispiel, Journalist in den schwulen Medien zu werden. Ich habe viereinhalb Jahre als Chefredakteur für die MÄNNER gearbeitet. Nach der kommenden Ausgabe wird es einen Wechsel geben. Damit der Schock nicht allzu groß wird, kündige ich jetzt schon mal meinen Abgang an – aber ein Heft haben wir noch zusammen! Für Ihre Treue als Leser in den letzten vier Jahren möchte ich mich schon mal bedanken. Einen guten Start ins neue Jahr mit neuen Zielen,
wünscht
Peter Rehberg
Let’s talk about Sex
Entweder man hat zu viel Sex oder zu wenig. Entweder man kommt nicht richtig zum Zug oder man ist schon süchtig. Sex wird immer entweder zu ernst genommen, oder in seiner Bedeutung heruntergespielt. Ein entspanntes Verhältnis zum Ficken zu finden, ist eine echte Herausforderung. Voraussetzung dafür ist in jedem Fall, die entscheidenden Infos zu haben. Oft genug machen fantastische Mythen über Schwanzgrößen die Runde, oder wilde Gerüchte darüber, wie oft man es treibt. Um das Reden über Sex mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen, haben wir die zehn wichtigsten Fragen zum Thema gesammelt. Angefangen bei „Wie groß ist zu groß?“ bis hin zu „Wie oft ist zu oft?“. MÄNNER-Redakteur Paul Schulz liefert die Antworten (Seite 14) Wenn man sich die Frage stellt, was für einen selber beim Sex gut oder schlecht ist, landet man zwangsläufig bei der Pornografie. Denn Pornos lassen keinen kalt: Für die einen sind sie nicht nur geil, sondern ganz praktische Lebenshilfe, für die anderen ruinieren unrealistische Idealmaße auf dem Bildschirm den Alltagssex. Unser Autor Carsten Bauhaus hat Pornoprofis danach gefragt, ob sie glauben, dass ihre Arbeit die Porno-User glücklich macht – oder unglücklich. (Seite 20) Aber das schwule Leben besteht nicht nur aus Sex, das zeigen wir auch in diesem Monat. Martin Reichert ist durch den Irak gereist und berichtet, wie es schwulen Männern ergeht, jetzt wo die US-Truppen abziehen (Seite 34). Johannes Arens hat für uns recherchiert, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet Koblenz die Stadt mit dem höchsten „Gay-Index“ in Deutschland wurde ( Seite 44) und Christian Lütjens ist ganz benommen von seinem Treffen mit einem schwulen Schamanen zurückgekehrt. (Seite 46)
Außerdem ist es uns diesen Monat gelungen, zwei legendäre Pop-Ikonen zum Sprechen zu bringen. Culture-Club-Sänger Boy George redet allerdings weniger vom Sex, aber dafür zum ersten Mal über seine Zeit im Knast (Seite 70), und Bestseller-Autor Bret Easton Ellis („American Psycho“) äußert sich ausführlich wie noch nie zu seiner Homosexualität (Seite 76).
Einen aufregenden November mit oder ohne Sex,
wünscht
Peter Rehberg
Filmpremiere SHAHADA
Anlässlich des Kinostarts von „Shahada – Wer bist du? Wen liebst du? Woran glaubst du?“ veranstaltet das Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg zusammen mit dem Filmverleih 3Rosen eine von MÄNNER-Chefredakteur Peter Rehberg moderierte Podiumsdiskussion über muslimische Lebenswelten und Sexualität.
Shahada ist die erste Säule des Islams, das Glaubensbekenntnis. Im Film „Shahada“ werden die Geschichten von drei Muslimen in Berlin und das oftmals widersprüchliche, komplexe Verhältnis von Kultur, Islam und Sexualität im 21. Jahrhundert erzählt.
Der Film wird am Donnerstagabend in der Kulturbrauerei präsentiert. Die Podiumsdiskussion findet im Anschluss an den Film vor Ort statt. Die Teilnehmenden der von MÄNNER-Chefredakteur Peter Rehberg moderierten Gesprächsrunde werden sein:
- Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland)
- Günter Piening (Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration)
- Maryam Zaree (Schauspielerin in Shahada, Rolle: Maryam)
- Jeremias Acheampong (Schauspieler in Shahada, Rolle: Samir)
Kinostart von „Shahada – Wer bist du? Wen liebst du? Woran glaubst du?“ mit anschließender Podiumsdiskussion
Donnerstag, 30. September 2010, 20.00 Uhr
Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin
Es gilt der reguläre Kinoeintrittspreis. Ein Teil des Eintrittspreises lässt der Filmverleih 3Rosen einem sozialen Zweck zugutekommen
In der Oktober Ausgabe der MÄNNER gibt es zusätzlich ein Interview mit dem Regisseur von “Shahada” Burhan Qurbani.







