FILMREIF: MÄNNER IM FEBRUAR
Liebe Leser,
Wir MÄNNER fühlen uns im Februar ein bisschen alt. Das kommt davon, wenn man sich einen Monat lang nur mit ersten Malen beschäftigt und dabei selber über 30 ist.
Dem ersten Mal von Duncan James zum Beispiel, dem schönsten Viertel der Boygroup Blue. Dessen erstes Mal mit einem Mann war so unglaublich lustig, desperat und schön, dass man es nicht erfinden könnte. Wir wollten alles wissen: welcher Film lief dabei, wie kam es dazu, was passierte danach und war es schön? Wem hat er davon erzählt und wer weiß es bis heute nicht? Duncan gab in seinem ersten und einzigen Solointerview in Deutschland, einem der offensten in der Geschichte dieses Magazins, bereitwillig Auskunft und war dabei entspannt, fröhlich und gutaussehend. Deswegen ist er auf unserem Titel gelandet.
Dort findet man auch das große Thema dieses Heftes: Malte Göbel beantwortet auf zwölf Seiten die Frage, wie man erfolgreich älter wird. Dabei hat er auch herausgefunden, wie man damit klarkommt, dass einen ab einem bestimmten Alter wahrscheinlich nur noch jüngere Männer auf den ersten Blick interessieren, und wie aus so einer ersten Attraktion eine dauerhafte Beziehung werden kann. Illustriert haben wir das Ganze mit den schönsten jungen Männern, die wir finden konnten: den Stars von Bel Ami, die Fotograf Robo Melo zum ersten Mal hinter den Kulissen abgelichtet hat. Auch Göbel hat zum ersten Mal für MÄNNER geschrieben und wird das in Zukunft sicher öfter tun.
Ob die CDU/CSU eine Zukunft als Wahlalternative für Schwule bei der Bundestagswahl 2013 hat, beantworten wir im ersten Teil einer Serie, in der wir in den nächsten Monaten die Homopolitik aller Parteien beleuchten werden. Alexander Vogt, Vorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union, glaubt, das brüskierende Verhalten der Kanzlerin gegenüber Schwulen und Lesben im letzten Jahr sei nur Taktik, wir sind uns da nicht so sicher.
Ob alle die 13 talentierten und überaus erfolgreichen Schauspieler kennen, die Filmexperte Patrick Heidmann für uns zusammengetragen hat, wissen wir nicht. Vielleicht seht ihr einige ja zum ersten Mal. Was wir wissen, ist, dass sie jeder kennen sollte. Auch weil sie schwul sind, aber vor allem, weil sie zur ersten Garde ihres Fachs gehören und so jeden Tag aufs Neue beweise: Als Mann ganz offen Männer lieben und Erfolg in Hollywood, das geht heute problemlos beides.
Wer dann noch nicht genug vom Thema Film hat, kann Thomas Abeltshausers Berlinale-Ausblick lesen oder sich von Panorama-Chef Wieland Speck erklären lassen, wo seine Sektion des einzigen A-Festivals in Deutschland so überall ihre Finger drin hat.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist auch Mr. Benson wieder erhältlich, der vielleicht beste schwule SM-Roman aller Zeiten. Dessen Autor John Preston starb 1994 an den Folgen von Aids und hatte bis dahin Zeit seines Lebens darauf bestanden, dass sich gute Literatur und das Schreiben über Sexualität nicht ausschließen. Mr. Benson ist der Beweis für seine These.
Und dann ist da noch unser Interview mit der schlauesten Band Deutschlands: Die Nerd-Rocker von Tocotronic haben uns in einem vergnüglichen Gespräch erklärt, warum Ingrid Caven, die Filme von Rosa von Praunheim, Camp und andere Selbstverständlichkeiten des schwulen Lebens für sie als heterosexuelle Künstler ganz normale Referenzpunkte sind.
Viel Spaß bei Lesen, Mitdenken, Mitfühlen und dabei unaufgeregt Älter werden wünscht
Die MÄNNER-Redaktion
Heterosexuelle Abgeordnete küssen sich für die Homoehe
Die französischen sozialistischen Abgeordneten Yann Galut and Nicolas Bays küssten sich bei den landesweiten Demonstrationen für die Homoehe öffentlich. Beide sind heterosexuelle Familienväter. Die konservative Opposition ist empört
Manchmal sagt ein Bild wirklich mehr als Tausend Worte. Zum Beispiel das von zwei sich küssenden Männern, die Abgeordnete in der französischen Nationalversammlung sind. Yann Galut und Nicolas Bays sind diese beiden Männer. Galut sagte Journalisten am Sonntag: “Wir sind beide heterosexuell, verheiratet und haben Kinder. Unser Kuss war ein Zeichen der Solidarität. Er heißt: Wir, zwei Parlamentsabgeordnete beginnen am Dienstag in der Nationalversammlung, für die Homoehe zu streiten. Und wollten alle Homosexuellen in Frankreich so nur wissen lassen, dass wir ihre Forderungen nach Gleichberechtigung teilen und unterstützen.”
Das französische Parlament hat heute Nachmittag begonnen, über die genaue Gesetzgebung zu beraten, die in Frankreich zur Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare führen soll. Seit Wochen gibt es Demonstrationen für und Proteste gegen das Gesetzesvorhaben. (pasch)






