Archiv der Artikel die mit queer getagged sind.

UNVERHEIRATET: MÄNNER IM JUNI

Liebe Leser,

Die Pessimisten unter Euch werden von diesem Heft vielleicht angenehm überrascht sein. Auch wenn „Die Welt“ am 16. Februar 2013 meldete „Theologe wird Chefredakteur der MÄNNER“, ist das Magazin nicht zu einer theologischen Zeitschrift geworden. Das wird selbstverständlich so bleiben. Vieles, was sich über Jahre bewährt hat und wofür unsere Leser die MÄNNER schätzen, werden wir weiter ausbauen.  Nicht zuletzt durch die zahlreichen Exklusiv-Interviews mit wichtigen und interessanten Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Unterhaltung nimmt das Magazin einen einzigartigen Platz innerhalb der LGBT-Medien ein.
Verstärkt sollen spannende  Reportagen, pointierte Kommentare und aufregende, auch mal tiefer schürfende Hintergrundberichte eine Informationstiefe und Qualität bieten, die das Internet und kostenlose Printmedien so nicht leisten können.
Dem Bereich kontroverser Debatten aus der Homo-Perspektive wollen wir verstärkt Raum in unserem Magazin geben. Viel zu oft noch werden Kontroversen über uns geführt, weil wir es versäumt haben, diese rechtzeitig selbst in die Hand zu nehmen. Die Homo-Ehe, der Debattenschwerpunkt dieses Monats, der sich durch das ganze Heft zieht, ist dafür ein bezeichnendes Beispiel.
Im Sinne eines „engagierten Journalismus“ sehe ich dabei als neuer Chefredakteur zwei zentrale Leitmotive für die zukünftige Ausrichtung der MÄNNER:  Zunächst eines, das den Blick „nach außen“ richtet und das vielfältige, auch heute noch immer dringend nötige Engagement für Gleichberechtigung und Akzeptanz begleitet – je nach Situation einfach berichtend, kritisch kommentierend, weiter motivierend oder auch offensiv Aktionen startend.  Wie erfolgreich so etwas sein kann, hat zuletzt die in nahezu allen großen Medien Aufsehen erregende Aktion „Stoppt kreuz.net“ des Bruno Gmünder Verlags und der MÄNNER gezeigt. Um gesamtgesellschaftlich und politisch im Bereich der Homo-Rechte erfolgreich zu sein, bedarf es nicht nur eines weitgehend eindeutigen Votums aus dem Bereich der „Community“. Wir brauchen auch Stimmen, die dieses überzeugend und unüberhörbar vortragen.
Damit untrennbar verbunden und für ebenso wichtig halte ich das zweite Leitmotiv, das man in dem Satz zusammenfassen kann: „Schwules Leben macht großen Spaß“. Körperlichkeit, Verlangen, Erotik und Sex sind ganz wesentliche Bestandteile  auch schwuler Lebensstile. Um unseren verhältnismäßig offenen Umgang damit beneiden uns viele Heteros. In Zeiten erneut zunehmender scheinheiliger Prüderie gewinnt das eine ganz eigene Bedeutung. So hat es ein Lifestyle-Magazin für schwule Männer nicht nötig, diesen Bereich schamhaft zu verstecken. Vielmehr werden wir ihn weiterhin selbstbewusst und zugleich ästhetisch wertvoll präsentieren.
„Großer Spaß“ an der Vielfalt schwulen Lebens ist es auch, mit dem die
MÄNNER-Redaktion dieses Heft gestaltet hat – und den wir Euch bei der Lektüre wünschen!

DAVID BERGER (Chefredaktion)

VERLIEBT: MÄNNER IM MAI

Liebe Leser,

Ein bisschen erschrocken haben wir uns schon, als die Themenliste für dieses Heft fertig war. Da standen Agneta Fältskog, Claudia Roth, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Cascada in einer Reihe. Was für ein Weiberhaufen! Aber passt schon. Immerhin findet in diesem Monat der Eurovision Song Contest in Malmö statt und auch dort ist ein massiver „Frauenüberschuss“ in der Teilnehmerriege zu verzeichnen. Das wäre halb so schlimm, wenn man bei einigen der antretenden Sängerinnen nicht das musikalische Talent in Zweifel ziehen müsste. Was die deutsche Teilnehmerin Natalie Horler alias Cascada angeht, sagen wir nur so viel: Unser Interview mit der 31-Jährigen war so nett, dass wir ihr am 18. Mai ohne schlechtes Gewissen die Daumen drücken, auch wenn wir keine großen Fans ihres Songs „Glorious“ sind, der wirklich keinen Glanzmoment der Eurovisions-Geschichte darstellt. Aber auch echte ESC-Legenden kommen in dieser Ausgabe zu Wort. Und zwar in unserem Vier-Augen-Gesprächs mit Abba-Blondine Agneta Fältskog. Die Schwedin hat ein Soloalbum aufgenommen und taucht damit 39 Jahre nach ihrem Grand-Prix-Triumph mit „Waterloo“ und jahrelanger Funkstille aus der medialen Versenkung auf. Unsere Autorin Katja Schwemmers hat mit der „Greta Garbo des Pop“ übers Älterwerden und das Verhältnis zu den ehemaligen Bandkollegen geplaudert.
Um knallharten Machtkampf geht‘s bei unseren Polit-Ladies. Während Grünen-Schwulenmutti Claudia Roth den Liberalen im Gespräch mit Hans-Herrmann Kotte progressives Gerede bei völliger Tatenlosigkeit vorwirft, kontert Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger  (FDP), indem sie klare Signale in Richtung ihres Koalitionspartners CDU schickt und die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe fordert.
Und da ist es schon wieder. Das Reizwort der letzten Monate. In letzter Zeit haben wir uns redaktionsintern oft gefragt, ob die schwule Heiraterei abgesehen vom Gleichberechtigungs-Aspekt überhaupt eine erstrebenswerte Sache ist. Diese Diskussion schlägt sich in diesem Heft in einem Kommentar von Paul Schulz nieder – der der unpopulären Ansicht ist, dass die Homo-Ehe eigentlich ein Rückschritt in die Kontrollsphären der Heteronormen ist. Wir freuen uns jetzt schon über Lesermeinungen zu der provokanten Streitschrift. Und nun zu den Themen, die dem Namen dieses Heftes im wörtlichen Sinne Ehre machen: Allen voran sind da unsere Cover-Models Max Riemelt und Hanno Koffler zu nennen. Den einen kennt man durch seine Auftritte in Kinofilmen wie „Die Welle“ oder „Napola“, den anderen als Boller-Homo aus „Sommersturm“ und Hauptfigur im Soldaten-Drama „Nacht vor Augen“. Nun spielen die beiden im Kinofilm „Freier Fall“ zwei Polizisten, deren scheinbar so geordnete Leben aus der Bahn geworfen werden, als sie sich unerwartet ineinander verlieben. MÄNNER hat Hanno und Max für ein exklusives Fotoshooting samt Interview gewonnen und sich davon überzeugen können, dass die beiden nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im wahren Leben ein schönes Paar abgeben. Zusätzlich gibt‘s eine Reportage über den wahren Alltag schwuler Polizisten in Deutschland, eine Fotostrecke zum neuen Bildband „Turn on: Boys“ und munteres Seilhüpfen mit Redaktionstrainer Patrick Thomalla. Das sollte reichen, um den Mai auszufüllen. Ab Juni meldet sich von dieser Stelle der neue MÄNNER-Chefredakteur David Berger. Bis dahin grüßen wir ein letztes Mal im Kollektiv als:

Die MÄNNER-Redaktion

GEFÜHLVOLL: MÄNNER IM APRIL

Liebe Leser,

Ganz ehrlich: Uns schwirrt der Kopf von der Debatte um die Homo-Ehe. Nicht genug, dass Volker Beck uns während der Produktion dieses Heftes mit gefühlten zehn bis zwanzig Pressemeldungen pro Tag zuschüttete. Wenn man sich am Abend vorm Fernseher entspannen wollte, ging die Debatte auch noch bei Jauch, Plasberg und Konsorten weiter – mit allen Beklopptheiten, die sich die Gleichstellungsgegner in ihren kleinkarierten Heterohirnen zurechtgelegt hatten. Die Lust aufs Heiraten konnte einem da schnell vergehen, die Sehnsucht nach ein wenig Existenzialismus wurde dafür umso lauter. Also haben wir die Arbeit zur Horizonterweiterung genutzt. Das Thema Homo-Ehe bleibt in dieser Ausgabe weitgehend außen vor, dafür beschäftigen wir uns mit Menschen, die ihr Leben umgekrempelt und einen Neustart gewagt haben. Angefangen bei Rosenstolz-Mastermind Peter Plate, der in diesem Monat mit dem Album „Schüchtern ist mein Glück“ eine zweite Karriere als Solokünstler startet, bis hin zur transsexuellen Gender-Ikone Kate Bornstein und dem Londoner DJ Raph Solo, der erst über den Umweg einer Umpolungstherapie seine Homosexualität zu akzeptieren lernte, geht es hier durchweg um sinnstiftende Sprünge ins kalte Wasser, für die die deutsche Politik offenbar zu feige ist. Dass es uns hierzulande trotzdem noch ziemlich gut geht, veranschaulicht eine Russland-Reportage. Dort droht mit der Einführung eines Gesetzes zum „Schutz Minderjähriger“ die endgültige und gesetzlich festgeschriebene Tabuisierung von Homosexualität. Unser Autor Timo Gerling hat russische Aktivisten und schwule Normalbürger nach dem Status quo befragt. Unsere Parteienserie zur Bundestagswahl wird derweil mit einem Porträt der FDP fortgesetzt.In diesem Rahmen kommt das Thema Homo-Ehe dann doch noch mal auf den Tisch. Dafür sorgt nicht zuletzt ein Interview mit dem schwulen umweltpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion Michael Kauch (selber verpartnert).
So weit, so staatstragend. Ein bisschen Glamour gefällig? Können wir bieten. Also alle mal festhalten: Wir haben ein Interview mit Barbra Streisand im Blatt! Zum Kinostart ihres neuen Films „Unterwegs mit Mum“ hat Babs im Doppelinterview mit Filmsohn Seth Rogen ihre mütterliche Seite rausgekehrt. Wir waren so entzückt, dass wir noch zwei weitere Ikonen angefragt haben. Mit Depeche Mode-Mastermind Martin Gore sprechen wir über Sex und Weltfrieden und mit mit Schlagerkönigin Mary Roos über Botox und schöne Männer.
Apropos schöne Männer. Die Fotostory des Monats gehört einer Horde sexy Stripper. Autor Craig Seymour hat früher selber als Nackttänzer gearbeitet und anlässlich der deutschen Übersetzung seines autobiografischen Buches „All I could bare“ („Nackte Tatsachen“) sein Fotoarchiv für uns geöffnet. Beim Betrachten der Bilder kommen die Frühlingsgefühle von selbst.  Passt auch. Immerhin gilt ab 31. März die Sommerzeit. Dann werden die Tage länger und die Temperaturen steigen.  So lange das mit dem Heiraten nicht klappt, möge man die daraus erwachsenden Energien anderweitig nutzen.  In Düsseldorf gibt‘s am 6. April zum Beispiel eine „Es reicht“-Demo für die „gleichen Rechte der Homosexuellen“. Außerdem startet Ende April in Potsdam die CSD-Saison. Und vielleicht sind ja sogar schon die ersten lauen Cruising-Nächte drin. Ansonsten eignet sich dieses Heft hervorragend für einen mentalen Frühjahrsputz.

Viel Spaß beim Lesen wünscht:

Die MÄNNER-Redaktion

JENSEITS DER MAUERN

Paulo (Matila Malliarakis, links) und Ilir (Guillaume Gouix): Die große Liebe

Paulo (Matila Malliarakis, links) und Ilir (Guillaume Gouix): Die große Liebe


MÄNNER präsentiert die GAY-Filmnacht: Die aufregend authentische Liebesgeschichte „Jenseits der Mauern“, das Debütwerk des belgischen Filmemachers David Lambert, ist der wichtigste Homofilm des Frühjahrs. Schon gleich nach seiner Weltpremiere in Cannes im vergangenen Mai wurde er mit „Weekend“ und „Keep the Lights On“ verglichen und die drei herausragenden Filme über schwule Beziehungen zur New Queer Wave ausgerufen. Ein Exklusivinterview über Liebe, Sex und Zeitdruck

Interview: Thomas Abeltshauser

David Lambert, die meisten Erstlingsfilme handeln von Selbsterlebtem der Regisseure, sind stark autobiografisch…

Meiner auch! (lacht) Er ist wirklich persönlich, aber er ist nicht im strengen Sinne autobiografisch. Ich vermische drei Liebesbeziehungen, die ich im Alter zwischen 20 und 30 hatte. Natürlich ist es meine eigene Sichtweise auf die Liebe und was es bedeutet, sie zu verlieren. Es beschreibt im Grunde zwei Seiten einer Medaille. Die erste Hälfte des Films beschreibt, wie sich zwei Menschen begegnen, sie sich verlieben und diese Liebe wächst. Was sie verbindet, wie sie sich immer näher kommen und es schließlich zu einer Vereinigung kommt, einer Art, sagen wir: Alternativhochzeit. Und dann fällt alles auseinander. Die Welt verändert sich und die zwei Männer, die im Stadtzentrum sehr frei ihre Liebe leben konnten, sind plötzlich gar nicht mehr frei. Und Liebe ist nicht mehr möglich, so sehr sie es auch immer wieder versuchen.

Wenn es so sehr auf eigenen Erfahrungen beruht: Wer von den beiden ist dir näher?
Ganz ehrlich: ein bisschen beide. Den ersten Entwurf des Drehbuchs habe ich mit 22 geschrieben, es war wirklich schlecht, ein Desaster. Aber ich hatte 100 Seiten, die man als Drehbuch erkennen konnte. Damals interessierte mich Paulos Perspektive mehr, es war eher ein psychologisches Drama über Gefängnis und Inhaftierung. Es war sehr düster und traurig, ohne jeden Humor. Anfangs identifizierte ich mich nur mit ihm, aber je mehr Gedanken ich mir über Illir machte, ließ ich viel von meiner zweiten längeren Beziehung einfließen. Es war ein langer Prozess. Ich wollte auch lange einen Regisseur dafür suchen, weil ich mich nur als Autor gesehen habe. Schreiben hat mich immer am meisten interessiert. Ich habe mich dann im Laufe der Jahre immer wieder mit Regisseuren getroffen und sie haben mir alle dasselbe gesagt: „Du musst das selbst machen!“ Es war einfach zu intim und persönlich, sie fanden keinen Platz für sich. Aber der Prozess des Schreibens hat sich über so viele Jahre gezogen, dass ich gar nicht genau benennen kann, was davon wirklich ich bin. Ich schreibe wirklich sehr viel, sogar noch während des Drehs.

Was sehr ungewöhnlich ist.  Eigentlich verlangt der Zeitdruck, dass da längst alles klar ist, oder?
Ich hatte zum Glück die Freiheit auf das zu reagieren, was an einem Tag zwischen den Darstellern passierte und bis zum nächsten Morgen Szenen entsprechend umzuschreiben. Wir drehten in chronologischer Reihenfolge, nur so war das überhaupt möglich. Das ist purer Luxus, aber das war von Anfang an meine Bedingung. Und wir haben viel improvisiert, weil ich mich auf meine Schauspieler verlassen konnte. Die Szene mit dem Armdrücken, zum Beispiel. Ich wollte diesen Einfluss der Darsteller. Aber noch mal zum Drehbuch: Ich habe die erste Version damals in Berlin geschrieben. Ich wohnte im Prenzlauer Berg, Lychener Straße 50. Ich lebte zehn Monate in Berlin, mein damaliger Freund saß in Paris im Gefängnis und ich wartete auf ihn, wie im Film. Als er entlassen wurde, trafen wir uns und es war eine Katastrophe.

Sprichst du deutsch?
Ich konnte kein Wort, als ich ankam. Ich lernte dann, was man so braucht. Aber als ich die Stadt nach zehn Monaten wieder verließ, brauchte ich es nie wieder. Und so habe ich das meiste vergessen, leider. Wenn ich mal wieder länger da wäre, würde es sicher zurückkommen.

Als ich den Film in Cannes gesehen habe, hat mich die Art, wie du schwules Leben zeigst, abseits der üblichen Klischees, sehr an „Weekend“ und „Keep the Lights On“ erinnert. Ist das Zufall? Oder ändert sich da gerade etwas?
Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber mir war zumindest von Anfang an klar, dass ich nichts über Comingout machen wollte oder wie schwer man es als Schwuler hat. Ich wollte meine Charaktere wie Romeo und Julia, ohne das ganze gay Blabla. Ich wollte etwas Universelles erzählen und zugleich etwas sehr Spezifisches. Es sind nun mal zwei Typen und die haben einen ganz bestimmten Sexdrive und eine ganz bestimmte Art ihre Beziehung zu führen. Auch die Zärtlichkeit zwischen ihnen. Mich hat bei Filmen immer frustriert, dass das Schwulsein immer nur auf zwei Dinge reduziert wurde: eine düstere Sexualität, bei der es auch wirklich nur um Sex ging, ohne Liebe und oder Zuneigung. Oder man sieht den Schwulen als tuntigen, tratschenden und völlig asexuellen Mitbewohner und beste Freund, dessen Hauptcharakterzug und Aufgabe im Film eben das ist: er ist „der Schwule“. Was soll das? Wenn ich beschließe, eine Figur ist hetero, ist das noch lange keine Geschichte. Ich wollte dreidimensionale, glaubwürdige Figuren in einer Liebesgeschichte, weg von all den Klischees.

Warum hat das vorher kaum jemand gemacht?
Ich hatte ein großes Problem bei der Finanzierung des Films. Mir wurde immer wieder gesagt: „Wir sehen doch jede Woche schwule Figuren irgendwo im Fernsehen, das ist nicht interessant.“ Und ich fragte zurück, wann sie das letzte Mal einen Spielfilm mit zwei Männern gesehen haben, die sich lieben und leiden und eine ernstzunehmende Beziehung haben. Und dann wurde immer „Brokeback Mountain“ genannt. Der ist acht Jahre her! Und es war ein amerikanischer Film und er spielte in der Vergangenheit. Man sieht einfach keine Geschichten über gleichgeschlechtliche Beziehungen im europäischen Kino! Und jetzt kommt von manchen Journalisten die Frage, ob ich als Debütfilmer keine Angst habe, mit diesem Film in ein Ghetto gesteckt zu werden. Was für eine bescheuerte Frage!

Wie sind die Reaktionen jetzt, nachdem der Film fertig ist?
Viele Leute lieben den Film, weil es eine Liebesgeschichte ist, die Gendergrenzen überschreitet. Irgendwann vergessen die Zuschauer, dass es zwei Typen sind. Mir sagten etliche Heteromänner, dass sie nicht dachten, dass zwei Männer so eine intensive, komplexe Beziehung haben könnten. Sie dachten, da ginge es nur um Sex. Schön, wenn ich da zur Aufklärung beitragen kann.

Alle Orte und Termine für die Gay-Filmnacht: http://www.gay-filmnacht.de/

SPORTLICH: MÄNNER IM MÄRZ

Liebe Leser,

Wenn im Büro um 19.00 Uhr so langsam die Lichter ausgehen, ist es oft so: Die Chefredaktion sagt „Ich geh noch was trinken/essen/angucken. Will jemand mit?“ Dann gibt es immer mindestens einen Kollegen, der antwortet: „Ich kann nicht, ich muss noch ins Fitnessstudio.“ Die obligatorischen Gegenfragen: „Musst du oder willst du? Und warum eigentlich?“ Lustigerweise fallen Vielen darauf spontan keine Antworten ein.
Für die Redaktion Grund genug, nach welchen zu suchen. Schließlich stellen sich die meisten schwulen Männer in Bezug auf ihre Körper dieselben Fragen: Bin ich zu dick? Zu dünn? Nicht muskulös genug? Zu muskulös? Zu alt? Zu jung? Oder vielleicht doch genau richtig? Jeder von uns hat sich solche Fragen schon mal gestellt. Weil wir als schwule Männer über nichts so sehr definiert werden wie über unseren Körper und das, was wir damit anstellen.
Deswegen dachten wir MÄNNER: Es ist Zeit für ein Sport-Special. Einzige Bedingung war, dass es unverkrampft sein sollte. Wir wollten keine Druckszenarien aufbauen, Normen abfeiern oder Fitnessdiktate verordnen, sondern einfach nur Lust auf ein gutes Körpergefühl machen. Für diesen Ansatz ist unser Titelheld Davey Wavey genau der richtige Repräsentant. In den letzten Jahren hat der Amerikaner eine kometenhaften Karriere als Fitness- und Lebensberater gemacht. Weil er Tausenden Menschen jeden Tag im Internet zeigt, dass ein schöner Körper glücklich macht, ohne dabei vorzugeben, dass seine eigene imposante Statur die „richtige“ ist. Ähnlich entspannt ist auch unser neuer Fitnesstrainer Patrick Thomalla. Patrick weiß, dass bei Jedem irgendwas geht. Und er will anderen dabei helfen, ihre persönlichen Ziele zu verwirklichen. Mit einem Trainingsplan für Zuhause und einer einfachen aber wirksamen Diät gibt er erste Anregungen. Unser Autor Timo Gerling macht sich auf vier Seiten Gedanken darüber, ob der männliche Körper eine Waffe ist und wenn ja, gegen wen sie sich richtet.
Nirgends spielt unser Körper eine so entscheidende Rolle wie beim Sex. An ihm leitet sich ab, was wir gern haben und mit wem das geht. Die vier Paare, die wir direkt nach dem Sex befragt haben, stellen ganz unterschiedliche Dinge an ganz unterschiedlichen Orten an, haben aber alle eine gemeinsame Vorliebe: Nippelplay.
Natürlich sind unsere Körper auch politisch: Krsto Lazarevic beschäftigt sich in einer großen Reportage zum Thema Asyl damit, wie schwer es schwulen Flüchtlingen gemacht wird, ihre Homosexualität auf den Ämtern zu beweisen. Gregor Gysi hingegen berichtet im MÄNNER-Interview darüber, wie er schon im Elternhaus gelernt hat, Homos zu akzeptieren. Filmemacher Gregor Schmidlinger und Musiker John Grant wollen derweil beide ein neues Verhältnis zu ihrer Sexualität aufbauen. Schmidlinger macht ein Jahr Pornopause und Grant versucht, seine HIV-Infektion in ein neues Körpergefühl einzubeziehen. Ein Thema, zahllose Facetten. Dieses Heft beweist, dass unser Körper weit mehr ist als eine leibliche Hülle – auch wenn Papst Benedikt gerade versucht, uns das Gegenteil zu beweisen. Aber die Schwulen waren mit Benedetto ja sowieso selten einer Meinung. Auch darum geht‘s in diesem Heft. Es ist also ein guter Grund, mal einen Abend Fitnessstudio zu schwänzen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht:

Die MÄNNER-Redaktion





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