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Frei gesprochen

Hanno Koffler und Max Riemelt (Bild: Bernhard Musil)

Hanno Koffler und Max Riemelt (Bild: Bernhard Musil)

Max Riemelt und Hanno Koffler spielen in „Freier Fall“ zwei Polizisten, die sich in der deutschen Provinz ineinander verlieben. MÄNNER traf die beiden in der deutschen Hauptstadt zu einem Gespräch über schwule Identität und Sexszenen unter Freunden

Text und Interview: Paul Schulz
Fotos:
Bernhard Musil
Grooming:
Anna Neugebauer – Bigoudi

Hanno Koffler und Max Riemelt sind ein schönes Paar. Im Kino jedenfalls. Im wahren Leben sitzen die beiden Schauspieler an einem für alle Beteiligten unangenehm frühen Donnerstag Morgen leicht abgepudert nebeneinander auf der Couch des Fotografen Bernhard Musil, der sie wenig später für das Cover der MÄNNER ablichten wird und gucken sehr zufrieden.
Dazu haben sie allen Grund. „Freier Fall“, der Streifen wegen dem wir alle hier sind, ist der vielleicht beste Film mit schwulen Figuren, den es seit „Sommersturm“, immerhin neun Jahre alt, im deutschen Kino zu sehen gibt. Und trägt seinen beiden Stars, seit er im Februar auf der Berlinale die „Perspektive Deutsches Kino“ eröffnet hat, viel Ruhm und Ehre ein.
Damit war nicht unbedingt zu rechnen. „Freier Fall“ ist der erste Spielfilm von Regisseur Stephan Lacant und das erste Drehbuch von Autor Karsten Dahlem, hatte ein eher übersichtliches Budget und erzählt die Geschichte zweier Polizisten die sich in einer kleinen, nicht näher bezeichneten Stadt irgendwo in Deutschland ineinander verlieben. Ganz ohne Kitsch und ohne die Story sexuell fürs heterosexuelle Publikum zu entschärfen oder inhaltlich zu vereinfachen.
Sie geht so: Marc (Hanno Koffler), Anfang 30 erwartet mit seiner Freundin Bettina (Katharina Schüttler) ein Kind und ist gerade in einen Flachbau mit kleinem Garten gezogen, direkt neben dem Haus seiner Eltern. Als er auf einer Fortbildung den jüngeren Kollegen Kay (Max Riemelt) kennenlernt. Der kifft, fährt einen Jeep und will „Das System von innen unterwandern“. Bei einem gemeinsamen Lauftraining kommt es zu einem ersten, versehentlichen Kuss, den Marc „Was soll die Scheiße?“ findet und Kay als „nur ein Spaß“ abtut. Mehr war erst mal nicht. Marc fährt nach Hause, schläft mit seiner Freundin und denkt ab und zu an Kay.
In der zweiten Runde der Fortbildung treffen die beiden Männer wieder aufeinander und dieses Mal passiert tief im Wald mehr als nur ein Kuss, wovor Marc sprichwörtlich Reißaus nimmt.
Das könnte es gewesen sein, würde sich Kay nicht wenig später in Marcs Einheit versetzen lassen und einfach nur abwarten, bis Marc endlich soweit ist. Dann beginnt etwas, dass das Leben aller Menschen die es betrifft verändert, zum Guten oder Schlechten, am Ende des Films ist niemand mehr, wer er am Anfang war. Es gibt ein Happy End, aber kein Konventionelles. Trotzdem ist man als schwuler Kinozuschauer nach 100 Minuten sehr glücklich.
Denn „Freier Fall“ ist ein kleines Wunder: ein deutscher Film, in dem zwei hervorragende Schauspieler ein ganz und gar glaubwürdiges männliches Liebespaar abbilden, inklusive völlig unverschämter, beängstigend intimer Sexszenen, die es so noch nie zu sehen gab und die Koffler und Riemelt nicht nur bei Kerlen die auf Kerle stehen endgültig zu Sexsymbolen machen werden.
Der Film ist bis auf die kleinsten Nebenrollen wunderbar gespielt und glänzt mit hübschen Einfällen, wie dem, die offen lesbische Maren Kroymann als Marcs homophobe Mutter zu besetzen. Das Drehbuch verschwendet nicht ein einziges Wort, sondern vertraut ganz zu Recht auf Darsteller und Regisseur Lacant. Der empfiehlt sich mit „Freier Fall“ für sehr viel Größeres. Subtil, gekonnt aber nicht gekünstelt, baut er um seine Darsteller eine kleine, aber komplett realistische Welt, in der hinter den Türen deutscher Provinzbehausungen Homophobie und Spießigkeit genauso lauern wie Verständnis und die Sehnsucht danach ein größerer Mensch zu sein, als man ist. „Wir haben nur ein echtes Arschloch im Film, den homophoben Kollegen. Und der war nötig, um zu zeigen, dass es die gibt.“, erklärt Koffler. Der Rest sind 50 Graustufen Liebe, zwischen denen Marc und Kay sich finden müssen, ohne zu wissen wie.

Eröffnungsfrage, Jungs, habt ihr euch lieb?
(beide lachen)
Koffler: Haben wir uns was?
Riemelt: Ob wir uns lieb haben.
Koffler: Schon, ja.
Riemelt: Das kann man so sagen.

Und ihr kennt euch seit zehn Jahren, richtig?
Riemelt: Ja, da haben wir „Hallesche Kometen“ zusammen gedreht.

Aber befreundet seit ihr noch nicht so lange, oder?
Riemelt: Nein, so richtig Freunde sind wir erst, seit wir vor zwei Jahren zusammen in Marokko „Auslandseinsatz“ gedreht haben, einen Film über junge Soldaten. Das war hart, nicht nur körperlich, aber die Atmosphäre am Set war auch ein bisschen wie im Ferienlager und es hat echt Spaß gemacht, mit Hanno Zeit zu verbringen. Beim Drehen, aber auch einfach so, wenn man zusammen Freizeit hatte und Marrakesch kennengelernt hat. Und da finden sich dann halt Freunde fürs Leben.
Koffler: Aber wir kannten uns vorher, hatten Respekt vor der Arbeit des anderen und konnten uns gut leiden.

War es für die Dreharbeiten zu „Freier Fall“ gut oder schlecht, dass ihr befreundet seit?
Koffler: Im Nachhinein hätte es fast eine Bedingung sein müssen, weil es für mich nicht mehr vorstellbar ist, das mit irgendjemand anderem zu spielen. Das war schon ideal.
Riemelt: Für mich gäb’s da auch keine Alternative zu Hanno. Natürlich könnte man das auch mit einem anderen Kollegen spielen, rein technisch, aber um Verliebtheit glaubhaft rüber zu bringen, bedarf es schon einer gewissen Form von Vertrautheit, die man nicht so von jetzt auf gleich herstellen kann.

Findet ihr euch schön?
Koffler: Naja, Max ist ein sehr gut aussehender Kollege, ein schöner Mann.
Riemelt: Und Hanno hat keinen Mundgeruch.

Ist das die Vorraussetzung für glaubhafte schwule Liebesszenen: keinen Mundgeruch haben?
Riemelt: Man muss da ganz praktisch denken. (grinst)

Hanno, hattest du nach „Sommersturm“, wo du einen sehr selbstbewussten Schwulen gespielt hast, Angst, wieder eine schwule Rolle anzunehmen, weil du vielleicht nicht festgelegt werden wolltest?
Koffler: Ach Quatsch. Erstmal ist „Sommersturm“ inzwischen wirklich eine Weile her und zweitens guck ich mir schon zuerst an, wie interessant der Stoff und die Rolle sind, wie gut das Buch ist und wie weit ich mich da einbringen kann. Und bei „Freier Fall“ fand ich die Geschichte einfach toll. Da ist jemand, der sich in Frage stellt, komplett, sich neu erfährt, auch mit neuer, erst erwachender Sexualität, erste Erfahrungen in der Richtung macht, und sich daraufhin Fragen nach der eigenen Identität stellt. Mit welchen Körperteilen er dabei konkret zu tun hat, war mir dabei aber egal. Ich fand das Buch großartig, die Geschichte toll, die Dreieckskonstellation die da entsteht unheimlich spannend, habe mir aber keinerlei Sorgen gemacht, weil das jetzt vielleicht schon wieder eine schwule Geschichte ist. Darum geht es nicht.

Max, du hast während der Dreharbeiten in einem anderen Interview gesagt, ich zitiere: „Ich spiele gerade einen schwulen Bullen, so richtig mit ficken, total toll.“ War’s toll?
Riemelt: Sowas sagt man natürlich auch, um zu provozieren. Aber es war schon auch toll, ja. Ich wollte schon länger einen Schwulen spielen.

Warum?
Riemelt: Nicht, „um mal einen Schwulen zu spielen“. Sondern um in so eine Figur einzusteigen und das glaubhaft rüberzubringen, aus mir heraus. Auch um meine Palette zu erweitern und weil es darum geht, als Schauspieler in jeder Figur zuhause sein zu können, das ist klar. Man will ja nicht auf den Frauenhelden festgelegt werden. Aber ich habe auch nicht auf Biegen und Brechen nach einer schwulen Rolle gesucht, sondern das hat schon länger gedauert, bis da was gepasst hat. Weil, ich wollte keine Figur spielen, die ein tuckiges Klischee ist und dem Publikum alle fünf Minuten durch irgendeine bescheuerte Aktion, beweisen muss, dass sie schwul ist. Ich wollte eine Figur, die diese Sexualität hat, aber in der ich mich trotzdem wiederfinden kann. Und als ich das Drehbuch zu „Freier Fall“ zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mich an vielen Stellen in Kay wiedererkannt.

Wo denn genau?
Riemelt: In der Frotzelei mit Marc, den er halt aufzieht, weil er ihn mag. In Kays Art, die relativ ruhig und gelassen scheint, wo es aber innerlich abgeht. Da ist viel von mir drin.

Die Sexszenen im Film sind sehr gelungen und total glaubwürdig, was ganz selten ist in Filmen mit schwulen Figuren. Wie kommt das?
Koffler: Wir haben da viel ausprobiert, obwohl wir ja von Kamera- und Licht, wegen der fast Dogma-artigen Bedingungen, nicht ganz soviel Freiheit hatten. Es sollte alles ganz natürlich sein.
Riemelt: Aber letztendlich entsteht ein Film auch am Schneidetisch und da war es hier glaube ich sehr wichtig, dass den Film mit Monika Schindler jemand geschnitten hat, der es so macht, das es für beide Geschlechter funktioniert, weil es eben nicht schwul oder hetero ist, sondern einfach schön und intim.

Findet ihr diesen Szenen selber erotisch, wenn ihr sie anguckt?
Riemelt: Ich finde sie sehr ästhetisch und auf dieser Ebene echt schön, aber nicht erotisch. Ich stehe nicht auf die Körper anderer Jungs, weil ich nun mal hetero bin, kann aber trotzdem ganz gut erkennen, ob die Interaktion zwischen den männlichen Körpern da vor mir funktioniert. Und das tut sie.

War es merkwürdig das zu spielen, gerade weil ihr gut befreundet seid?
Koffler: Im Gegenteil. Es war auch hier sehr wichtig, dass wir uns gut kennen. Weil du dich so viel besser fallenlassen kannst, während du spielst, weil du dich einfach sehr sicher fühlst. Nicht nur bei den Liebesszenen ist es so, dass wir beide beim Arbeiten nicht gerne Kompromisse eingehen. Und da war es gut, dass wir uns vertrauen konnten, aber auch unserem Regisseur Stephan Lacant.

Max, hat es dich eigentlich gestört, dass deine Figur, diejenige ist, die beim Sex immer der Passive ist?
Riemelt: Das sehe ich gar nicht so. Ich habe das mit dem Regisseur besprochen und wir sind dabei rausgekommen, dass ich da schon etwas zulasse, aber gleichzeitig auch die Kontrolle habe, weil ich ja der Erfahrene von den beiden bin. Für Marc ist das ja alles neu, es ist ja nicht so das der da einfach drauflos … Kay führt den ja auch ein in das was die beiden zusammen machen … er sagt wo es langgeht, weil er ist ja …

Das Wort nachdem du suchst heißt „Powerbottom“?
Koffler: Ich wusste immer, dass du sowas bist. Wie war das Wort?
Riemelt: Powerbutton.

Bottom.
Riemelt (lacht): Powerbottom. Wieder was gelernt. Das kannte ich noch nicht.

Würde ich falsch liegen, wenn ich sagen würde, dass Kay derjenige ist, der Marc zuerst will, aber Marc derjenige ist, der sich zuerst in Kay verliebt?
Riemelt: Wenn du das so sehen willst, klar kann das so sein.

Wie habt ihr diese emotionale Kurve denn gespielt?
Riemelt: Du weißt doch hinterher sowieso nicht, was am Schneidetisch entschieden wird, da kannst du dir schönsten Gedanken machen, im Schnitt wird neu gewürfelt und du bist raus.
Koffler (lacht): Da möchte ich dem Kollegen Riemelt widersprechen. Man legt Rollen schon irgendwie an.
Riemelt: Ja, klar. Trotzdem ist es so, dass im Schnitt entschieden wird, welche Blicke stehengelassen werden und welche nicht und das ist dann schon manchmal entscheidend dafür, wie Charaktere so wirken und welcher Fokus in einer bestimmten Szene plötzlich ganz woanders liegt, als du dachtest.
Koffler: Das stimmt.

Verführt Kay Marc eigentlich?
Riemelt: Klar, tut er. Aber nicht wirklich bewusst oder platt. Das ist einfach ein Programm was abläuft, gepaart mit ganz echtem Interesse an dem Menschen und einer wahnsinnigen sexuellen Anziehung. Liebe kommt später, aber der Übergang ist fließend..
Koffler: Sexualität und Liebe kann man sowieso nicht teilen.

Da würden dir jetzt viele schwule Männer widersprechen.
Koffler: Ich glaube nicht, dass sich das trennen lässt.

Schlaft ihr also nur mit Frauen, die ihr liebt?
Koffler: Na, in dem Moment schon.
Riemelt: Aha. (lacht).
Koffler: Es gibt ja viele Spielarten und Varianten, sowohl von Liebe wie von Sexualität. Ich würde das aber trotzdem nicht trennen wollen.

Ob man das trennen will, ist eine andere Frage.
Koffler: Aber ich glaube wirklich nicht, dass sich das trennen lässt.
Riemelt: Ich finde es wichtig, dass da ein Geheimnis bleibt. Ich kann das nicht so runterrationalisieren, es enträtseln. Für mich spielen da ganz viele Faktoren eine Rolle, die ich so gar nicht entwirren möchte, weil dabei vielleicht etwas verloren geht..

Warum hat die Geschichte in „Freier Fall“ kein Happy End?
Koffler: Hat sie das nicht?
Riemelt: Ist doch Ansichtssache, ich finde es gut, dass die Frage nicht eindeutig beantwortet. Das macht den Film doch erst so spannend.
Koffler: So ist es doch einfach im Leben: Die großen Krisen tun weh, aber in denen liegt auch die entscheidende Persönlichkeitsentwicklung verborgen. Willkommen und Abschied. So ist das im Film auch. Marc muss sich von ein paar Sachen, Vorstellungen, Gewohnheiten verabschieden, muss Dinge hinterfragen, aber dadurch erweitert er seinen ja eigentlich extrem beschränkten Horizont doch enorm. Der sagt nach der Geschichte mit Kay nicht mehr so einfach: „Du gehörst in die Schublade und du in die.“

Ich habe mich während des gesamten Films gefragt, ob die Figur eigentlich schwul ist.
Koffler: Ist das so wichtig? Ich mag es gerade, dass das nicht eindeutig ist.
Riemelt: Das ist ja der Ansatz des Films. Kann oder will man das immer so eindeutig sagen, gibt es da nicht hundert Graustufen, ist es eigentlich nicht viel differenzierter? Sind Gefühle und Sexualität nicht viel komplexer als: „Du hast jetzt mit dem und dem geschlafen, also ist das deine Neigung, also bist du jetzt das und das.“ Diese eindeutigen Schlüsse und Bezeichnungen sind etwas, mit dem ich Probleme habe.
Koffler: Ich finde es gut, dass der Film das mal aufweicht und es anders behandelt.

Ist es auch deswegen wichtig, dass erst weit in der zweiten Stunde des Films Marc überhaupt mal jemand, die Frage stellt, ob er schwul ist?
Koffler: Die Frage ist wichtig, wegen der daraus erwachsenden Konsequenz. Das Publikum stellt sich hoffentlich die Frage: Was wäre wenn er es wäre? Was würde das für sein Leben, seine Beziehung, sein Vatersein bedeuten? Geht nur das eine? Kann alles andere dann nicht mehr stattfinden? Wenn es ein paar dieser Fragen mit aus dem Kino nimmt und sich selber neu beantwortet, ist das doch schon mal was.

MÄNNER präsentiert:

„Freier Fall“ in der gayFilmnacht
vom 6.Mai an bundesweit.
Alle Spielstätten und Termine unter:
www.gay-filmnacht.de

Kinostart: 23. Mai
www.freierfall-film.de

Alle Kinos und Termine gibt’s hier:
http://www.salzgeber.de/delicatessen/termine_freierfall.html

YOSSI IST ZURÜCK!

Yossi auf der Pirsch (Bild: pro-fun)

Yossi auf der Pirsch (Bild: pro-fun)

Vor zehn Jahren wurde Yossi & Jagger zu einem frühen Klassiker des neuen schwulen Films. Jetzt widmet Regisseur Eytan Fox sich seinem damaligen Protagonisten ein zweites Mal. Ein Interview mit Mr. Fox übers Älterwerden und die veränderte gesellschaftspolitische Lage in Israel

Der in New York geborene Eytan Fox gehört mit Filmen wie Walk on Water oder The Bubble zu den erfolgreichsten Regisseuren Israels – und ohne Frage zu den bekanntesten schwulen Filmemachern der Welt. Seit den frühen 90ern widmet er sich in jeder seiner Arbeiten queeren Charakteren und hat auch jenseits des Kinos immer für LGBTQ-Rechte in Israel gekämpft. Mit seinem Lebensgefährten Gal Uchovsky, einem Journalisten und Produzenten, der in der Jury von Israel sucht den Superstar sitzt, führt Fox die wohl prominenteste schwule Beziehung des Landes. Mit Yossi legt er seine erste Kinoproduktion seit sechs Jahren vor.

Mr. Fox, zehn Jahre nach Yossi & Jagger kehren Sie nun zum Überlebenden der beiden Männer zurück. Wann und warum kam Ihnen dazu die Idee?

Ich war gerade zwischen zwei Projekten. Deswegen suchte ich etwas, mit dem ich mich in der Zwischenzeit beschäftigen konnte. Etwas Kleines, mit dem ich ein persönliches Statement abgeben und mich mit meinen eigenen Gefühlen beschäftigen konnte. Yossi & Jagger war damals so ein Film, der noch dazu eine entscheidende Rolle in meinem Leben und meiner Karriere gespielt hat. Schon vor zehn Jahren haben mich Zuschauer gefragt, wie Yossis Leben meiner Meinung nach weitergeht. Diese Frage hatte mich nie ganz losgelassen.

Zehn Jahre lang?
Mal mehr, mal weniger intensiv. Ich wurde älter, und natürlich veränderte sich vieles in meinem Leben. Mit dem Hauptdarsteller Ohad Knoller, der auch in The Bubble mitspielte, blieb ich all die Jahre in Kontakt. Wir sprachen oft übers Älterwerden und was das für uns bedeutet. Viele Erfahrungen und Schwierigkeiten deckten sich. Irgendwann war ich mir sicher, dass es funktionieren würde, all diese Gefühle und Konflikte auf diese Filmfigur zu übertragen, zu der wir beide so einen engen Bezug hatten. Die Idee passte auch zu der Art, wie ich in all meinen Filmen erzähle: nämlich gesellschaftspolitische Entwicklungen unseres Landes und der ganzen Welt mit ganz spezifischen Personen zu verknüpfen.

Präzisieren Sie das doch mal am Beispiel von Yossi …

Ich wollte wissen, wie es unser schwuler Protagonist erlebt, dass Israel sich verändert, in vielen Dingen progressiver und liberaler wird. Oder wie eben nicht, weil er feststeckt in seiner Trauer und dem Verstecken seiner wahren Identität. Zumindest zu Beginn des Films lebt er ja noch in der Welt, in der er aufgewachsen ist, obwohl es die de facto gar nicht mehr gibt. Man staunt ein wenig, wie schwer es ihm fällt, zu sich selbst zu stehen.
Ich glaube, dass es für viele Männer seiner und meiner Generation ungewohnt ist, sich diesen Veränderungen anzupassen. Israel war lange eine sehr konservative, patriarchalische Macho-Gesellschaft – und ist es in manchen Bereichen heute noch. In dieser Welt, in der ich aufgewachsen bin, gab es das nicht, dass man schwul war. Es war keine Option. Auch Yossi hat das verinnerlicht.

Für die neue Generation steht im Film der von Oz Zehavi gespielte junge Soldat Tom. Wie selbstverständlich der seine Homosexualität inmitten seiner Armee-Kameraden auslebt, ist überraschend.
Dieses kleine, verrückte Land hat sich wirklich auf verblüffende Weise verändert. Wenn etwas passiert, dann schnell. Die „schwule Revolution“ nahm ihren Anfang in den 80ern, doch spätestens zehn Jahre später explodierte sie. Inzwischen sind Schwule überall. Natürlich ist es naiv zu sagen, dass wir überall geliebt werden. Aber zumindest in der Blase Tel Aviv ist es so. Man sieht Schwule im Fernsehen, im Kino, im Pop-Business. Mittlerweile hat man fast das Gefühl, dass wirklich alle israelischen Rock- und Popstars offen schwul sind. Die breite Akzeptanz, auf die das trifft – auch im Militär – hat viel damit zu tun, dass eben auch Heterosexuelle keine Lust mehr haben auf das strenge, beengende und spaßbefreite Männerbild, das die israelische Gesellschaft so lange prägte.

Schwule Protagonisten kommen in allen Ihren Filmen vor. Haben Sie das Gefühl, damit als Regisseur in einer Nische festzustecken?
Immer wieder werde ich gefragt, ob ich nicht mal einen Film ohne Schwule drehen wolle. Was für eine alberne Frage. Heterosexuelle Filmemacher fragt doch auch keiner, ob sie nicht mal Geschichten ohne Heteros inszenieren könnten. Ich hatte auch nie das Gefühl, nur eine Nische zu bedienen. Glücklicherweise ist es fast allen meinen Filmen gelungen, über den schwulen Markt hinaus ihr Publikum zu finden.

Inzwischen ist ein weiterer Film fertig. Was erwartet uns?
Eine romantische Komödie. Als ich neulich einer Freundin die Rohfassung zeigte, konnte sie kaum glauben, dass der Regisseur von Yossi der gleiche sein soll wie von diesem Feel-Good-Movie. Die Geschichte handelt von einer Gruppe von Nachbarn, die eine Band gründen und davon träumen, mit ihr für Israel beim Eurovision Song Contest anzutreten. Obwohl sie weder singen noch tanzen können.

Womit sich die Frage nach dem Homo-Bezug schon erübrigt hat, oder?
(lacht) Der Protagonist ist ein schwuler Kindergärtner, dessen Arbeitsplatz ein einziger Eurovision-Schrein ist. Mit den Kids singt er die ganze Zeit nur Grand-Prix-Schlager …

Klingt, als würde Sie auch mit diesem Thema etwas Persönliches verbinden.

Oh ja, meine erste semi-homosexuelle Erfahrung! Ich war 1979 persönlich beim Grand Prix, als 14-jähriger Schüler, der für eine Kindersendung im Fernsehen berichtete. Hinter der Bühne flirtete einer der Sänger der deutschen Band Dschingis Khan heftig mit mir und lud mich und meinen Freund sogar in sein Hotelzimmer ein. Natürlich habe ich mich darauf nicht eingelassen, aber sein Interesse erregte mich unglaublich. Spätestens dadurch wurde mir klar, wie sich sexuelle Spannung anfühlt – und dass ich die in meinem Leben wohl vermutlich mit Männern erleben würde. Interview: Patrick Heidmann

JETZT IM KINO

“MIR SIND UNBEGABTERE LEUTE OFT SOGAR LIEBER”

Rosa von Praunheim (70)

Rosa von Praunheim (70)

Morgen, am 25. November, wird Rosa von Praunheim 70. Und bringt unter dem Titel Rosas Welt 70 neue Filme heraus. Ein Jubiläumsinterview.

Interview: Christian Lütjens,  Fotos: Rosa von Praunheim

Das Gespräch findet im Regionalexpress statt. Auf der Fahrt nach Brandenburg, wo Rosa nach dem Mammutprojekt zu seinem Siebzigsten schon wieder den nächsten Film dreht. Es ist elf Uhr morgens. Der Jubilar frühstückt, während er Fragen beantwortet. Zwischendurch fallen Sätze wie: „Für mich gibt es keine uninteressanten Menschen. Du kannst jetzt den Zug anhalten, und ich mache dir über jeden Fahrgast einen tollen Film.“ Niemand, der die 70 Rosas Welt-Beiträge gesehen hat, wird diese Aussage anzweifeln. Ob Praunheim rumänische Stricher, schwule Schornsteinfeger, Eva Mattes oder den Berliner Türsteher und Musiker Rummelsnuff porträtiert, er zeichnet stets liebevolle Bilder seiner Protagonisten. Aber jetzt geht’s um ihn. Band ab!

Rosa, mit 70 sind andere in Rente, du legst mit 70 neuen Filmen dein bisher umfangreichstesProjekt vor. Gar nicht altersmüde?
Vielleicht ist das ja der zweite oder dritte Frühling. Dieses Gefühl habe ich gerade. Ich habe unheimliche Lust zu arbeiten. Dass die 70 Filme möglich waren, ist eine riesige Freude. Der Vorschlag war anfangs eher ein Gag. Dass die Finanzieung wirklich geklappt hat und alle Filme in nur anderthalb Jahren fertiggeworden sind, ist ein Wunder.

Du hast dich früh gegen Altersdiskriminierung und die Ausgrenzung des alternden Körpers positioniert. Wie erlebst du das Älterwerden selber? Ist es gar kein Problem?
Ich hab Glück gehabt, dass ich gesund geblieben bin. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich viele Leute habe sterben sehen, besonders an HIV, auch wenn das erst mal keine Frage des Alters ist. Bei den 70 Filmen ist ein Porträt über den HIV-positiven Dichter Mario Wirz dabei, der als Folge von HIV schon das zweite Mal an Krebs erkrankt ist und mit einem ungeheuren Lebenswillen, aber unter großen Schmerzen weitermacht. Das hätte mir auch passieren können. Aber mir geht es gut. Ich habe in der Vitalität keine Einschränkungen, und ich habe einen jüngeren Freund. Dass die Alterszipperlein kommen, ist mir klar, aber ich denke nicht groß drüber nach.

Du sagst im Presseheft zu Rosas Welt „Ich liebe alle Frauen, weil ich auch eine bin“ und ein Film zeigt dich im rosa Tüllkleid. Der Ausdruck einer neuen Weiblichkeit?
Das mit dem rosa Kleid war ein Novum, aber ich bin deswegen jetzt nicht Transgender. Ansonsten war Weiblichkeit immer ein Thema. Ich habe den Namen Rosa ja bewusst gewählt. Er ist eine Erinnerung an die Rosa Winkel im KZ, aber auch ein Ausdruck, dass ich stolz bin auf meine weibliche Seite. Ich finde es beleidigend, wenn Leute zu mir sagen: „Du siehst ja gar nicht schwul aus.“ Warum soll das ein Vorteil sein? Die femininen Schwulen haben viel mehr für unsere Emanzipation getan als die, die sich verstecken und verleugnen konnten. Andererseits bin ich, wie ich bin. Warum sollte ich rumtunten, wenn es nicht meine Art ist?

Du bist ein Chronist der schwulen Bewegung, stehst ihr aber auch kritisch gegenüber. Wie ist dein Verhältnis zur Szene?
Kommt drauf an, was man unter Szene versteht. Ich bin Ehrenschwester bei den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, und dadurch dass mein Freund bei der Schwulenberatung arbeitet, kriegeich auch einiges mit. Das ist alles Subkultur. Für Partykultur bin ich natürlich zu alt. Ich habe zwar einen Film über Rummelsnuff gemacht, der Türsteher im Berghain ist, aber ich war zum Beispiel nie in dem schwulen Sexclub beim Berghain. Techno ist nicht meine Musik, Drogen sind nicht mein
Ding. Partytourismus interessiert mich nicht.

Rosa von Praunheim (70)

Rosa von Praunheim (70)

Du hast auch schon beim Hustlaball und beim CSD gedreht. Fühlst du dich dort wohl?
Nein, aber das habe ich nie so empfunden. Ich mag keine Massenbewegungen. Ich bin zwar mit den 68ern aufgewachsen, aber als Dutschke die flammende Rede gehalten hat, hat mich das genauso abgestoßen wie es wahrscheinlich eine Massenkundgebung bei Hitler getan hätte. Auch wenn die Inhalte völlig andere waren. Ich war immer ein
individualistischer Künstler, der gezeichnet und Gedichte geschrieben hat. Ich beurteile Leute nach dem, was sie menschlich tun, nicht nach Gurus. Es gibt bei Linken wie bei Rechten tolle Menschen.

Ist Thilo Sarrazin, der in einem der 70 Filme auftaucht, so ein toller Mensch?
Ich wollte eigentlich mit seiner Frau sprechen, aber sie hat am Abend vorher abgesagt, also blieb Sarrazin selbst übrig. An ihm mochte ich die Provokation. Ich provoziere ja selber, insofern kann ich mich gut reinversetzen in jemanden, der die Lust an der Provokation hat, und die Reaktionen aushält. Die Themen, die Sarrazin in Deutschland schafft sich ab angesprochen hat, fand ich auch wert zu diskutieren. Das ging vorher ja nicht. Wenn ich früher gesagt habe, dass es viele Türken gibt, die Schwule zusammenschlagen, dann war das politisch unkorrekt. Aber man muss so was ansprechen. Allerdings sollte man sich dann auch konstruktiv mit Armutsproblemen und der Aufklärung in Schulen auseinandersetzen. Dann muss man eben Schwule in die Schulen schicken, und vermitteln, welche Auffassungen wir in Deutschland haben. Diese Konstruktivität habe ich bei Sarrazin vermisst. Auch im Gespräch. Da wurde er mir unsympathisch. Deshalb habe ich für den Film zusätzlich den Neuköllner Bürgermeister
Heinz Buschkowski und die Bürgerrechtlerin Seyran Ates interviewt, um einen Ausgleich zu schaffen.

Du hast auch ein Porträt deiner Nachbarn gemacht – ein stockschwules Paar, das allen Geschlechternormen trotzt und in einer Tuntenbarockwohnung lebt. Wie kommt’s, dass Rosa gerade solche Nachbarn hat?
Erstaunlich, oder? Als die einzogen sind, habe ich auch gedacht: Was für Tuntenklischees! So was gab’s selbst für mich nur im Comic. Aber wenn du dann dahinterkommst, was für wunderbare Menschen das sind, wie sie sich liebevoll um ihren behinderten Bruder kümmern und was für ein hartes und aufregendes Leben sie haben, ist das weit jenseits von Oberflächlichkeit. So eine Erkenntnis bekommt man nur, wenn man mal hinter die Fassade guckt.

Die Protagonisten deiner Filme waren immer Individualisten. Ist es heute schwieriger, echte Originale von Möchtegern-Individualisten aus Castingshows zu unterscheiden?
Da bin ich anderer Meinung. Wir sollten uns über jeden jungen Menschen freuen, der kreativ ist. Auch wenn er nicht die große Kunst macht. Mir sind Leute, die schlechter oder unbegabter singen, oft sogar lieber. Was diese Leute natürlich aushalten müssen, ist die Häme. Aber das wissen die meisten inzwischen wohl vorher. Ich würde ja auch gern ins Dschungelcamp gehen, mache das aber nicht, weil ich weiß, dass mein Image danach ruiniert wäre und ich vielleicht keine Filme mehr machen könnte.

Desirée Nick hat es auch nicht geschadet …
Sie ist Kabarettistin und arbeitet in einem anderen Genre. Ich mache kritische Filme und bin auf Finanzierungen angewiesen. Mit der negativen Popularität, die bei so was entsteht, hätten viele Redakteure kein Interesse mehr, mit mir zu arbeiten. Das Format finde ich trotzdem toll. Ich habe immer gesagt, ich mache keinen Unterschied zwischen Bild-Zeitung und Shakespeare. Die Dramaturgie zählt. Und die ist beim Dschungelcamp großartig. Auch wenn es inhaltsloser, verblödender Trash ist.

Schön gesagt. Alles Gute zum Geburtstag!

ROSAS GEBURTSTAG IM FERNSEHEN:
Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird reingefeiert. Einen Tag vor Rosas Geburtstag (24. November) startet um 20.15 Uhr eine Rosas Welt-Nacht, bei der bis zum nächsten Morgen um 8.25 Uhr zwölf von den insgesamt 20 Stunden der 70 neuen Filme gezeigt werden.

Am 25. November widmet arte Rosa einen Themenabend, bei dem auch die Hommage Rosas Kinder läuft, an der unter anderem Tom Tykwer und Robert Thalheim mitgearbeitet haben.

IM KINO:
Das 70-Filme-Programm ist ab sofort auf Kinotour. Im November ist Rosas Welt in München (2. bis 4. November), Stuttgart (9. November), Frankfurt (10. bis 11. November), Leipzig (17. bis 18. November) und Berlin (23. November) zu Gast. Weitere Stationen sind bis Januar Hamburg, Köln und Düsseldorf. Die Termine im Überblick: www.rosavonpraunheim.de

IM BUCH:
Unter dem schönen Titel Ein Penis stirbt immer zuletzt ist im Martin Schmitz Verlag ein 200-Seiten-Band mit Gedichten erschienen, die (O-Ton Rosa) „nicht aus dem Hirn, sondern aus dem Hintern“ kommen.

IM MUSEUM:
Das Berliner Ausstellungshaus am Lützowplatz zeigt vom 24. November 2012 bis zum 17. Februar 2013 eine Ausstellung, die in sieben Räumen Rosas Werk Revue passieren lässt, in der sowohl Figuren aus seinen Filmen wie Magnus Hirschfeld, Tally Brown und Lotti Huber (als Puppen) und auch Rosa selbst (in Fotos, Filmen und Projektionen) in Erscheinung treten. In einem kleinen Kino hat man auch hier die Möglichkeit, Rosas Welt zu gucken.
www.hausamluetzowplatz-berlin.de

DICKE MÄDCHEN WEINEN NICHT

Zwei Pfundskerle, wie man sie nicht allzu oft in schwulen Liebesfilmen sieht: Heiko Pinkowski (r.) und Peter Trabner (Bild: Missingfilms)

Zwei Pfundskerle, wie man sie nicht allzu oft in schwulen Liebesfilmen sieht: Heiko Pinkowski (r.) und Peter Trabner (Bild: Missingfilms)

Axel Ranisch hat für 517 Euro einen zauberhaften Film über eine Männerliebe gedreht – im Wohnzimmer seiner Oma

Für eine Weile geht man davon aus, dass im Mittelpunkt von Axel Ranischs Dicke Mädchen die demente Edeltraut (Ruth Bickelhaupt) steht, die so gern tanzt und morgens beim Waschen „Alle meine Kleider“ singt. Doch das eigentliche Zentrum des Films ist ihr Sohn Sven (Heiko Pinkowski, zurzeit auch in Puppe, icke und der Dicke zu sehen), ein unauffälliger, nicht mal mehr vollschlanker Banker, der sich mit seiner Mutter das Bett teilt und sich manchmal nackt im Wohnzimmer zu klassischer Musik verausgabt. Und dann ist da noch der verheiratete Familienvater Daniel (Peter Trabner), für den sich Sven nicht nur interessiert, weil er Edeltrauts Pfleger ist. Dass Gelegenheitsschauspieler Ranisch (Ruhm) seinen Diplomfilm für gerade einmal 517 Euro im Wohnzimmer seiner Darstellerin und eigenen Oma gedreht hat, ist nicht zu übersehen. Die kleine DV-Kamera hätte der Student und Schützling von Rosa von Praunheim trotzdem ein wenig ruhiger halten können. Aber wir wollen mal nicht meckern. Denn dem unaufgeregten Charme von Dicke Mädchen kann man sich kaum entziehen. Dass die Beziehung der beiden Männer stets diffus bleibt, ihr Verhalten nicht immer nachvollziehbar ist und die improvisierten Dialoge oft merkwürdig sind, ist beabsichtigt. Genauso wie der Titel ganz bewusst rätselhaft-unpassend, aber eben doch zauberhaft stimmig ist. (heid)

Filmstart: 15. November

http://dickemaedchen.com/

Whitneys letzter Auftritt

Whitney Houston (r.) in ihrer letzten Filmrolle als Jordan Sparks Mutter (Foto Warner Bros.)

Whitney Houston (r.) in ihrer letzten Filmrolle als Jordan Sparks Mutter (Foto Warner Bros.)

Whitney Houston gibt als Übermutter einer Girlgroup der 60er Jahre im Musical Sparkle eine gute Abschiedsvorstellung. Ab heute im Kino.

Acht Monate nach ihrem Tod verabschiedet sich Whitney Houston nun auch als Schauspielerin für immer: Sparkle drehte sie ein Vierteljahr, bevor sie starb. Das Remake des gleichnamigen Musicals von 1976 ist ihre Abschiedsvorstellung. Und zwar eine gute. Nicht, dass die Geschichte über drei Schwestern, die es in den 60ern aus dem Kirchenchor zur Soul-Girlgroup schaffen und mit ihrer religiösen Mutter ebenso ringen wie mit den Fallstricken des Ruhmes, sonderlich originell wäre. Im Gegenteil: Hier reihen sich so viele Klischees aneinander, dass selbst, wer Dreamgirls nicht gesehen hat, weiß, wohin der melodramatische Hase läuft. Aber Houston schlägt sich als Mutter von Sparkle (American-Idol-Gewinnerin Jordin Sparks) und ihren Schwestern wirklich gut. Zweimal noch darf sie ihre unvergleichliche Stimme zu Gehör bringen, mit dem Gospel „His Eye Is on the Sparrow“ und dem von R. Kelly geschriebenen Duett „Celebrate“. Sind das Momente für die Ewigkeit, wie „I Will Always Love You“ in Bodyguard? Natürlich nicht. Aber ihre Szenen sind definitiv würdigere letzte Erinnerungen als all die tragischpeinlichen Auftritte, die Whitneys letztes Karrieredrittel prägten. Auch weil sie verdeutlichen, was von dieser Ausnahmekünstlerin noch zu erwarten gewesen wäre. (heid)





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